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Rückschau: RKP-Netzwerktreffen in Bochum

"Projekte für alle!", unter diesem Titel versammelten sich rund 50 Personen aus dem RKP-Netzwerk Ruhrgebiet am 18. Juni 2024 im Kulturbahnhof Bochum Langendreer.

© ecce GmbH

Geredet wurde über Chancen und Probleme, Kulturangebote besser zugänglich zu machen – für behinderte und nicht behinderte Menschen. Zum Einsteig zeichnete Marion Edelhoff (ecce GmbH) die Entstehung des titelgebenden Schwerpunktes der Veranstaltung nach: In den vergangenen zwei Jahren seien im Ruhrgebiet acht Projekte mit dem Schwerpunkt Diversität oder Inklusion durchgeführt worden. Allein im Jahr 2023 hätten 65 % der eingereichten Projekte einen zusätzlichen Antrag auf "Ergänzungsmittel Barrierefreiheit" gestellt. Damit stehe das Ruhrgebiet landesweit an der Spitze der Tabelle aller RKP-Regionen.

Bertram Frewer (Kulturbüro Bochum) würdigte das Regionale Kultur Programm NRW im Anschluss als wichtige Säule regionaler Kulturförderung für die freie Szene und notwendige Ergänzung kommunaler Mittel. Auch hob er die lange Tradition des Regionalen Kultur Programms NRW hervor, mit dem das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen bereits seit den späten 90er Jahren kontinuierlich Kulturprojekte unterstützt habe.

In medias res: Impulsvortrag bietet Erfahrungen aus erster Hand

In seinem unterhaltsamen Input "Jetzt ist es barrierefrei und keiner kommt" verdeutlichte Gilbert Krüger, dass natürlich auch behinderte Menschen keine in sich geschlossene (Ziel-)Gruppe bilden. Veranstaltungen müssten in erster Linie inhaltlich interessant sein, denn so seine Analogie: "Ich besuche ein Event eben so wenig, WEIL eine Rollstuhlrampe vorhanden ist, wie viele im Publikum gekommen sind, WEIL die Tür offen stand."
Der Inklusionsbegriff sei zwar en vogue und als politische Forderung wichtig, aber gerade in der Community behinderter Menschen nicht unumstritten und deshalb als Marketingargument selten zielführend. Zu häufig werde er als inhaltsleeres Label benutzt, dass praxisfernen Maßnahmen den nötigen Glamour verleihen solle. Oder, wie Gilbert Krüger es mit Blick auf die Förderkulisse ausdrückte: "Inklusion ist nicht sexy; Geld ist sexy."

 

Schnell wurde klar, dass es mit der obligatorischen Rollstuhlrampe über der Eingangstreppe nicht getan ist, sondern dass eine Erweiterung der Zielgruppe Anpassungen in allen Phasen der Projektplanung erfordert: Von der Auswahl der Location, über die passende Ansprache in der Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Auswahl der richtigen Fördermittel und deren Berücksichtigung in der Finanzplanung. Wichtigster Punkt sei aus der Sicht von Herrn Krüger die Angabe einer Ansprechperson, die auf Augenhöhe offene Fragen und eventuelle Probleme individuell abklären könne und – ganz wichtig – nicht durch einen den Sonderfall zementierenden Titel wie z.B. "Inklusionsbeauftragte/r" potenzielle Besucher*innen abschrecke. Um Menschen zu erreichen seien die besten Mittel mündliche Empfehlung, Kooperationen mit Einrichtungen der Behindertenhilfe und der direkte Weg über Betreuer*innen, die z.B. für die Planung von Ausflügen zuständig seien, und andere Gatekeeper wie Inkluencer (Influencer mit Fokus Inklusion).

 

Erfahrungen aus dem Projektalltag

Anschließend berichteten RKP-Projektemacher*innen von den Projekten Odyssee – Musik der Metropolen, DOXS Ruhr, KREISCH Festival für Straßenkünste und DiS plus (Dortmunder inklusives Soundfestival) auf einer Podiumsdiskussion von ihren Erfahrungen mit den Ergänzungsmitteln für Barrierefreiheit. Werbemittel in einfacher Sprache, spezielle Vorführungen für Förderschulklassen, mehrjährige Zusammenarbeit mit Gruppen behinderter Menschen und spezielle Anforderungen behinderter Musiker*innen waren nur einige Beispiele dafür, wie die Ergänzungsmittel in den Projekten genutzt wurden. Einigkeit herrschte darüber, dass langfristige Kooperation mit verlässlichen Partnerinstitutionen die wichtigste Grundlage bilden würden, um das Vertrauen diverser Publikumsgruppen aufzubauen.

 

Nach einer 45 minütigen Unterbrechung zum Auftanken und Netzwerken startete der partizipative Teil des Netzwerktreffens. Drei Referent*innen boten jeweils einen Workshop an, der die Möglichkeit bot, tiefer in einen speziellen Teilbereich von Diversität einzutauchen. Gleichzeitig konnten Projektideen auf ihre RKP-Tauglichkeit abgeklopft und konkrete Fragen zur Antragstellung gestelt werden.

 

1.   Wie erreiche ich Menschen mit Behinderung mit meinem Kulturangebot?

2.   Ein buntes Miteinander – in guter Atmosphäre zum eigenen Projekt.

3.   "Wer sitzt auf dem Tisch?" – Diversitätsentwicklung und Zugehörigkeit in Kulturinstitutionen.

 

Handouts der einzelnen Workshops werden an dieser Stelle in Kürze veröffentlicht.