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MURX Reparaturfestival im Bochumer Viktoria.Quartier

Hier wurde repariert, was euch kaputt macht.

Foto: © Jörg Gröger

Kochen mit geretteten Lebensmitteln, ein neues Ringbuch aus Papierabfällen herstellen oder zerbrochene Tassen mit der Kintsugi-Technik veredeln: das MURX Reparaturfestival bot einen vielfältigen Einblick in die Kunst der Reparatur. Vom 1. – 4. September veranstaltete das atelier automatique im Rahmen des Programms Kreativ.Quartiere Ruhr, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, ein buntes Festival, das Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellte. Denn: Es lässt sich - fast - alles reparieren.

 

Ein Anstoß zum Denken über Nachhaltigkeit


Die Müllberge wachsen, die Ressourcen schrumpfen, der Tag der Erdüberlastung rückt immer weiter an die erste Jahreshälfte heran. Im Jahr 2022 überstieg die Nachfrage nach Ressourcen die dafür notwendige Regeneration der Erde bereits am 28. Juli. Die Menschheit muss ihre Verhaltensweisen gegenüber dem Planeten ändern, um langfristig eine Lebensgrundlage zu haben. Eine Lösung für dieses Problem liegt für die Organisator*innen des MURX Reparaturfestivals darin, eine nachhaltige Kultur zu entwickeln, in der ein langfristig gutes Leben heute und in Zukunft möglich ist. Hosen flicken, ein Loch im Socken stopfen und den kaputten Kopfhörer noch einmal reparieren wird zwar allein nicht reichen, aber es ist ein Anfang und regt das Umfeld zum Umdenken an.

Die große Repairshow und eine Anleitung zur Reparatur der Seele


Von Lecture Performances, Theaterfilmen und künstlerischen Ansätzen, wie dem Visible Mending mit der Kintsugi-Reparatur, bis hin zu Diskussionsrunden und Vorträgen über Gemeinwohl und die Frage, wie Reparatur als lebensverlängernde Kunst zu begreifen ist, bot das Festival eine große Bandbreite an Anregungen. Auch die „klassischen“ Themen, wie Urban Gardening, Reparaturcafés und Foodsharing, kamen nicht zu kurz. „Die Vielseitigkeit der Angebote macht dabei deutlich, dass Reparieren nicht nur ein aktuelles Thema ist und Spaß macht, sondern auch, wie spannend es sein kann, wenn man kaputten Dingen eine zweite Chance gibt“, fasst Festivalleiterin Josefine Rose Habermehl den Kern des MURX zusammen. Mit Yoga- und Entspannungsworkshops konnten die Besucher*innen zudem auch ein Stück weit die Seele reparieren.

 

Materialkatalog vernetzt Dachböden und Keller, in denen Bühnenteile und Requisiten schlummern


Ein besonderes Highlight des Festivals war die Veröffentlichung eines digitalen Materialkatalogs im atelier automatique mit einer Liveperformance von DJ Death. Der digitale Katalog ressourcerie automatique vernetzt Keller und Dachböden, Garagen und Abstellkammern der freien Szene im Bochumer Viktoria.Quartier miteinander: Fortan werden Requisiten, Kostüme, Möbelstücke, Bühnenteile zum Vermieten und Verleihen über die Austauschplattform ressourcerie automatique angeboten. Kollektive und Einzelkünstler*innen haben so die Möglichkeit, ihre ungenutzten oder abgespielten Produktionsteile anderen Künstler*innen zur Verfügung zu stellen.

Das atelier automatique ist ein selbstorganisierter, nicht-kommerzieller und solidarischer Raum in der Bochumer Rottstraße. Er wurde als gemeinsamer Arbeitsplatz von mehreren Künstler*innen aus Bochum aufgebaut. Das atelier automatique schafft einen neuen Ort, der Raum für künstlerisches Experiment und die alltägliche künstlerische Arbeit ist. Es hat sich in den vergangenen Jahren zu einem etablierten Ort für Kunst und politischen Diskurs entwickelt. Das Programm ist divers und zeichnet sich dadurch aus, dass es Denkräume und Kunsträume sowohl für die direkte Nachbarschaft, aber auch ruhrgebietsweit anbietet. Neben queerfeministischen Veranstaltungen, Konzerten, Filmscreenings, Performances und Ausstellungen finden auch Workshops unterschiedlicher Art statt.