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Ich erinnere was, was du nicht siehst (AT)

© Julia Nitschke

In dieser Arbeit geht es um Julia Nitschkes unsichtbaren Migrationshintergrund. Unsichtbar, weil Menschen aus Polen meistens weiß und katholisch sind und sobald sie einigermaßen dialektfrei Deutsch sprechen, nicht mehr von außen als migrantisierte Menschen identifiziert werden. Doch die größte Migrationsgruppe in Deutschland kommt aus Polen. 2019 schickt ein Buch der deutsch-polnischen Journalistin Emilia Schmechowski "Rückkehr nach Polen" sie nach Polen. Dort beginnt Nitschke Objekte für ihr eigenes Archiv zu sammeln, die auf kuriose Art ihre Familiengeschichte bezeugen. Eines der bedeutendsten Fundstücke ist ein Klostein der Marke Kostka – polnisch für Würfel – was auch der Familienname ihrer Großeltern ist. Überglücklich brachte die Künstlerin diesen Klostein in den Nuancen Wald- und Meeresduft mit, nur um festzustellen, dass die Toilette ihrer Großeltern keinen Spülkasten mehr hat, um ihn zu benutzen. Ein typischer Fall für ihre Familiengeschichte. Das Bild des nicht-passenden Klosteins wird zur Metapher, denn irgendetwas klemmt immer oder passt nur so halb. Ihr gesammeltes Material bezieht sich auf genau dieses Gefühl, das sie versucht durch den Umgang mit den Objekten sichtbar zu machen. Anhand der skurrilen Objekte, die teilweise über die neue Seidenstraße, über Duisburg nach Polen und dann in Nitschkes Hände gelangt sind, erzählt sie ihre Familiengeschichte im Kontext globaler, deutsch-polnischer Migrationsbewegungen und stellt die Frage nach dem Umgang mit einer fragmentieren Migrationsgeschichte in den Mittelpunkt.