| Individuelle KünstlerInnen Förderung, Geförderte Projekte IKF, Individuelle künstlerische Entwicklung

Need for Narration

© Yuri Ogarkov

Durch das Stipendienprogramm kann der Schauspieler und Geschichtenerzähler Linus Ebner für vier Monate seinen gewohnten Arbeitsrhythmus am Theater verlassen und die Zeit für Recherchearbeit nutzen. Im interdisziplinären Austausch mit KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen widmet er sich der Untersuchung des "optischen bzw. nicht-optischen Blicks" in Anlehnung an David Hockney und Walter Benjamin. Denn das Geschichten-Erzählen, ein Kulturgut frühester Menschheitsgeschichte, hat sich durch die technischen Errungenschaften stark verändert – sowohl im Theater als auch im Alltag. Besonders auf der Bühne ist der Live-Moment ein kostbares Gut und im Alltag neigen wir dazu, uns Erlebnisse nicht mehr zu erzählen, sondern Bilder und Videos zeigen.

Anstatt diese Entwicklung jedoch zu lamentieren, will Linus Ebner  verstehen, wie sich die verschiedenen Arten Geschichten zu erzählen gegenseitig bedingen und funktionieren - auf technischer, kultureller, kommunikativer und sinnlicher Ebene. Hierfür stellt er in einer systematischen Versuchsreihe die archaisch narrativen Formen Theater, Tanz und Malerei den optischen narrativen Formen Video und Foto mit Fragestellungen gegenüber: Kann man eine Geschichte, die in einer Form begann in einer anderen Form zu Ende erzählen? Wie fragmentarisch ist das Geschichtenerzählen geworden? Aus wie vielen einzelnen Quellen und Medien setzten sich Geschichten heutzutage zusammen? Wie gehen diese ineinander über? Die Ergebnisse sollen in das Folgeprojekt „Fragments of Fact and Fiction“, einem multimedialen und interdisziplinären Installations-Projekt einfließen, das im kommenden Jahr am Bochumer Prinz-Regent-Theater   zu sehen sein wird.