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Correctional Environments - Deprivation

Die Arbeit ist Teil einer Bild-Triologie, die sich mit besonders gesicherten Hafträumen beschäftigt.

© Patrick Lohse

Es gibt keine Beweise und keine Stellungnahme von offizieller Seite. Dennoch existieren zahlreiche Augenzeugenberichte über Hafträume, die das Prinzip der sogenannten ''Sensorischen Deprivation'' verfolgen. Durch die absolute Reizunterdrückung können bei den Inhaftierten nach einer gewissen Zeit Gleichgewichtsstörungen, Depressionen und Halluzinationen auftreten. Die Inhaftierung in solchen Zellen zielt vor allem darauf ab, Gefangene zur Preisgabe von Informationen oder zur Kooperation zu zwingen. Da diese Form der Inhaftierung als Folter gilt, wird die Existenz solcher Zellen bisher von keinem Staat offiziell bestätigt.

Die bereits erwähnten Augenzeugenberichte bilden deshalb den Ausgangspunkt für die Konstruktion einer maßstabsgetreuen Kulisse einer solchen Deprivations-Zelle. Eine großformatige Fotografie dieser Kulisse eröffnet ein Spannungsfeld zwischen zwei Formen des künstlerischen Dokumentarismus: die der Glaubwürdigkeit der Fotografie durch ihren vermeintlich objektiven Zugriff auf das Reale und die der Glaubwürdigkeit verschiedener Zeugen als Rekonstruktion einer von Subjektivität geprägten Wahrheit.

Die Arbeit ist Teil einer Bild-Triologie des Künstlers Patrick Lohse, die sich mit besonders gesicherten Hafträumen beschäftigt. In der modernen Gefängnisarchitektur spielt die gezielte Einflussnahme auf das Verhalten und die Emotionen der Gefangenen durch spezifische bauliche Maßnahmen eine wichtige Rolle und ist Teil zahlreicher Forschungsvorhaben und Pilotprojekte.

2018 wurde die erste Kulisse eines besonders gesicherten Haftraums fertigstellt. Das Bild zeigt einen Haftraum, der vollständig im patentierten Farbton „Cool-Down-Pink“ gestrichen ist. In vier deutschen Gefägnissen wurde die Farbe testweise eingesetzt, um beruhigend auf 'besonders aggressive Gefangene' einzuwirken.