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Sense -it makes sense

© Marion Kainz

Marion Kainz stellt im Rahmen ihrer Förderung eine filmische Recherche an, die Grundlage für einen Langspielfilm bildet. Ausgangspunkt und Inhalt ihrer Recherche stellt sie folgendermaßen dar:
''Sense - it makes sense" – genau das ist meines Erachtens gerade absolut notwendig. Wir leben seit über 3.000 Jahren in einer von männlichen Werten und Eigenschaften geprägten Gesellschaft, dessen Weltbild auf einer Wahrnehmung von Trennung basiert: materialistisch, mechanistisch, rationalistisch und patriarchalisch.

Diese Gesellschaftsform hat zu einem enormen Fortschritt in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft geführt – und zu einem eklatanten Mangel an menschlicher Weisheit. Leistungs-, Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken bestimmen das Miteinander. Ein Wachstumsstreben beherrscht uns, das die natürlichen Grenzen unserer Erde und das Leben auf ihr strapaziert. Isolation, Egozentriertheit, blinder Betätigungswahn, Angst und Anspannung sind ein Resultat dieser Gesellschaftsform und führt zu Gesellschaftskrankheiten wie Depression und Burnout. Diese Form zu leben und diese Weltsicht macht uns krank.

Nun stößt diese Gesellschaftsform an ihre Grenzen: alte Strukturen zerbrechen, Reibungen und Konflikte entstehen, desolate Zustände werden sichtbar - und es 'rappelt' bei vielen auf persönlicher Ebene. Etwas Neues möchte entstehen. Meiner Ansicht nach beinhaltet dieses Neue die im Patriarchat lange vernachlässigten und abgewerteten so genannten 'weiblichen' Qualitäten - in allen Geschlechtern - unabhängig von 'Mann' und 'Frau'. Diese weiblichen Qualitäten sind das Fühlende – was nicht nur 'Gefühle fühlen' meint, sondern darüber hinaus ein tieferes Spüren ist, das Ebenen wahrnimmt, die auch unsere Wirklichkeit ausmachen. Ein Spüren, welches sich selbst wahrnimmt und aus dieser Verbundenheit mit dem eigenen Innenraum mitfühlender und tiefer die Verbundenheit zwischen Mensch und Mensch und Mensch und Natur wahrnimmt und wertschätzt. Eine Qualität, die in einzelnen Menschen entwickelt wird - kollektiv aus der Trennung und Isolation – kann in eine neue Verbundenheit und zu anderem Denken, Fühlen und Handeln führen. Die Wahrnehmung des menschlichen Innenraums, Empathie, Sensibilität, emotionale Intelligenz, Herzensqualitäten, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, das Verständnis für Paradoxität, Intuition und Verbundenheit mit der Natur gehören zum Beispiel dazu. In dem tonangebenden 'trennenden' Weltbild und der entsprechenden Wahrnehmung, werden diese Fähigkeiten und Wahrnehmungen oft als 'nicht-existent', 'Einbildung', 'irrational', 'nervig', 'lächerlich', 'beschämend', 'unnötig' und 'nicht so wichtig' bezeichnet und abgewertet - oder gar als bedrohlich wahrgenommen. Ich behaupte, dass wenn das menschliche Potential um diese Qualitäten erweitert wird, können wir perspektivisch einen balancierten und menschlich angemessenes Upgrade unserer Gesellschaft miteinander kreieren.

Mich interessiert: Wo und wie und von wem werden diese Qualitäten bewusst entwickelt? Wo entstehen sie ganz natürlich? Was passiert in diesem Prozess? Wie finden sie Eingang in die Gesellschaft? Zu welchem Mit-ein-ander führt es? Was wird in diesem Mit-ein-ander möglich?''

Marion Kainz