| Individuelle KünstlerInnen Förderung, Geförderte Projekte IKF, Thematische Bewerbung

Slotmachine

© Achim Zepezauer

Der experimentierfreudige Künstler und Musiker experimenteller Elektronik, Achim Zepezauer ist für seine ungewöhnlichen Musik- und Kunst-Projekte bereits bekannt: Klanginstallationen, Werke aus gekauten Kaugummis oder die Veröffentlichung eines einfachen, stromlosen Schallplattenspielers mit recycelter CD, die durch Einritzungen Klang wiedergibt.

Achim Zepezauer  ist fasziniert von der Idee, dass die Kunst selbst viel mehr den Weg vorgibt, als es Künstler tut und die Suche nach neuen Wegen, Musik zu veröffentlichen, bildet für ihn einen elementaren Bestandteil des Musizierens. Viele seiner Arbeiten loten dabei die Grenzen von Genres und Disziplinen aus, überschreiten sie und lassen sich von außen nur noch schwer kategorisieren.

 

Mit seiner jüngsten Arbeit, der sog. Slotmachine  beweist Zepezauer, dass das digitale Zeitalter auch in der Musik angekommen ist. Wehrten sich Alt-MusikerInnen, wie beispielsweise der Dirigent Sergiu Celibidache  noch Zeit ihres Lebens gegen die Konservierung von Musik mit dem Argument [...] Musik sei keine Konserve, die man festhalten könne, da sie im Augenblick ihrer Entstehung lebe [...], so zaubert Zepezauer etwas, das ohne eine Konservierung nur schwer möglich wäre: Die Slotmachine ist gleichermaßen Website, interaktives Musikalbum und Spielautomat - durch Klick auf den Start-Button wird der einarmige Bandit ausgelöst und präsentiert dem User per Zufall eine Kombination von drei Aufnahmen, die zeitgleich abgespielt werden.

Insgesamt hat Zepezauer mit seinen zwölf KollegInnen 158 Aufnahmen von Eigenkompositionen mit unterschiedlichen Instrumentierungen eingespielt. Neben klassischen Instrumenten wurden die Aufnahmen auch durch Synthesizer, Field-Recordings und sog. Piezo-Scheiben erzeugt. Durch Letztere erstellt Richard Lermann Aufnahmen von Vibrationen, die durch Verstärkung hörbar gemacht werden und so flossen beispielsweise Sounds des seit 2017 bestehenden Metallzauns an der mexikanisch-amerikanischen Grenze.

 

Aus den 158 Aufnahmen, die in den drei Spalten des Spielautomaten hinterlegt sind, ergeben sich fast vier Millionen Kombinationsmöglichkeiten, die der Automat ausspuckt. Durch diese zufällige Wiedergabe erhält die Kunst ein Eigenleben, das sich fortwährend neu generiert. Auch die Website selbst lässt sich als Kunstwerk verstehen. Insgesamt besticht sie durch ihre einfache Bedienung, die auf drei Buttons reduziert ist: Der Start-Button, um den einarmigen Banditen zu aktivieren, die Auto-Play-Taste und der Münz-Einwurf, über den man das Projekt finanziell unterstützen kann.

Für den User präsentiert sich eine spielerische Form, die eine Vielzahl von Möglichkeiten bereithält und ganz nebenbei einen niederschwelligen Zugang zu zeitgenössischer Musik eröffnet. Über die Auto-Play-Funktion kann man sich entweder per Zufall überraschen lassen, oder in das Geschehen eingreifen und eigenhändig Instrumente kombinieren und leicht arrangieren.

Noch haben zwar manche Browser ihre Schwierigkeiten mit dem Laden der Website, aber mit Mozilla, Tor und Chrome ermöglichen das Ausprobieren der Slotmachine

 

Komplementär zur digitalen Version gibt es auch eine 10‘‘-Schallplatte, auf der eine Art Best-Of festgehalten ist. Sie erscheint am 1. Februar 2019 unter dem Label Gruenrekorder

Reinhören kann man bereits jetzt auf Bandcamp

 

GastkünstlerInnen:

 

Jaap Blonk               (Stimme, Niederlande)

John Chantler         (Synth, Schweden / Australien) 

Serge Corteyn         (Gitarre, Deutschland) 

Rhodri Davies         (Harfe, UK) 

Gailė Griciūtė           (Präpariertes Klavier, Litauen) 

Richard Lerman      (Piezo, US) 

Seán Mac Erlaine    (Saxophone, Irland) 

Jérôme Noetinger   (Bandmaschine, Frankreich) 

Pablo Paredes         (Keyboards / Mastering, Chile)

Guida Ribeiro          (Web Design, Portugal) 

Michael Vatcher      (Schlagzeug, US) 

Simon Whetham     (Field Recrodings, UK) 

Marta Zapparoli      (Radio Waves, Italien)

 

Weitere Infos über Achim Zepezauer auf 

seiner Website  Bandcamp  und Youtube