| Individuelle KünstlerInnen Förderung, Geförderte Projekte IKF, Individuelle künstlerische Entwicklung

Die unertragreiche Unsinnigkeit der Kunst

© Josefine Rose Habermehl

Im Rahmen des Stipendiums der Individuellen künstlerischen Entwicklung möchte sich Josefine Habermehl ausdrücklich nicht weiterentwickeln:

''Ich möchte mich zurückentwickeln. Ich möchte mir zwei Monate Zeit nehmen, um zu machen. Nicht immer erst denken. Vordenken. Überdenken. Nachdenken. Sondern Machen! Und dabei das kreative Potenzial von Zeit wieder erleben. Ich will Texte schreiben die nicht in einen Förderantrag passen müssen. Texte voller Unsinn und Poesie. Ich will Fotos machen, ganz ohne Konzept. Mal wieder Collagen basteln, Zeichnen und Malen ohne zu überlegen woher ich die Zeit dafür nehme. Ich will endlich Melodica lernen und mit dem Loop Gerät spielen. Auch mal Kitsch und Pathos zulassen ohne Angst zu haben aus dem postdramatischen Raster zu fallen. Und vor allem will ich dann gucken, wie ich das alles verknüpfen kann. Vielleicht entsteht da ja was aus dem Unsinn, ganz im Sinne der Kunst. Im künstlerischen Sinne meine ich. Das versteht ihr schon. Ihr lest ja viel darüber was Kunst ist. Und entscheidet was Kunst sein kann. Ich möchte das auch wieder können. Nicht durch das Lesen von Förderkriterien. Durch das Lesen meines un-ertragreichen Un-Sinns. Was ist das und was kann es sein? Muss es etwas sein? Oder kann es nur sein? Ohne etwas. Warum liegen ständig einzelne Schuhe irgendwo? Das habe ich mich schon immer gefragt.''

 

Review

Die zwei Monate während ihres Stipendiums hat Josefine Habermehl genutzt, um alte Talente und verschobene Vorhaben hervorzukramen: Sie kaufte ein neues Objektiv für ihre Kamera und übte sich in manueller Fotografie, ohne dabei einen (Auto)Fokus auf die Ästhetik zu legen. Dennoch sind ein paar nette Bilder, unter anderem von ihrem Balkon aus, entstanden.

Schon lange liegt eine Melodica in dem Schrank. Endlich hatte Josefine Habermehl ein wenig Zeit, um sich die Grundlagen des Spielens beizubringen. Sie hat gelesen, geschrieben, gemalt. Einfach so. Sie wollte schauen, ob und inwiefern sich alte Interessen in derzeitige künstlerische Arbeit integrieren lassen. Schnell konnte sie feststellen, dass das Malen und Zeichnen zwar beruhigend ist, aber im künstlerischen Sinne nichts bei ihr auslöst. Das Schreiben und die Musik hingegen lassen sich gut in Audiocollagen und Soundinstallationen einbinden. So ist eine erste Audiocollage in der Zeit entstanden, welche zu gegebener Zeit weiterbearbeitet werden soll.

Resümierend stellt Josefine Habermehl fest, dass die zwei Monate nicht das leisten konnten, was sie sich erträumt hatte. In den zwei Monaten war sie zwar finanziell so aufgestellt, dass sie nicht auf viel Arbeit nebenbei angewiesen war, aber die zwei Monate waren eben nur zwei Monate. Sie musste sich auch um die Zukunft kümmern. Ein Aushilfsjob, der ihre Fixkosten abdeckt, winkte. Projekte mussten weitergeführt und neue Konzepte entwickelt werden. In einem weiteren Stipendium würde sich Josefine Habermehl gern konkret dem Hörstück widmen, Texte schreiben und verarbeiten, Audioschnitt weiter üben und Sounddesign studieren.

Das wäre ihr ein Fest.

 

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