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Studie: Was ist die Kreativwirtschaft?

Wie ist der Begriff „Kreativwirtschaft“ abzugrenzen? Welche Felder umfasst er und sind dort wirklich alle kreativen Berufe enthalten?

© frei nach Creative Commons OTA Photos

Die Vorstellung einer kreativen Industrie oder Wirtschaft hat in den letzten 20 Jahren eine Wandlung durchlebt. Das gab John Newbigin in seinem Artikel „What is the creative economy?”  an, der auf der Homepage des British Council  veröffentlicht wurde. Dabei stellt er infrage, inwiefern die Definition der Kreativwirtschaft zutreffend ist. Interessant ist diese Diskussion auch, da der Name ecce (european centre for creative economy)  selbst den Begriff „creative economy“ beinhaltet. Eine Neudefinition des Begriffs würde bedeuten, dass man sich auch mit der eigenen Namensgebung und den Aufgabenfeldern neu auseinandersetzen muss.

Newbigin beginnt mit der ersten aufgestellten Definition von vor 20 Jahren. Damals gab es bereits den Begriff „cultural economy“. Dieser umfasste jedoch hauptsächlich die „klassischen“ Künste, wie Tanz, Theater und Musik. Mit der Einführung des Begriffs begannen sich jedoch viele KünstlerInnen dagegen zu wehren, dass ihr kreatives Schaffen und ihre Tätigkeit als Teil einer Industrie gesehen wird. Zwar mag Kunst nicht immer wirtschaftlich sein oder aus wirtschaftlichen Gründen entstehen, dennoch wuchs zu diesem Zeitpunkt die Bedeutung von Kunst für die Wirtschaft stark an.

Doch bereits damals war unklar, wie man die Grenzen der Kreativwirtschaft ziehen sollte. Die Einigung war, dass durch kreatives Schaffen geistiges Eigentum, das z.B. durch Copyright gesichert werden kann, kreiert werden sollte. Vor allem Letzteres zählt zu dem zentralen Kriterium dieser Definition. Jene mochte vielleicht SteuerbeamtInnen ausschließen, jedoch sind auch ForscherInnen der Naturwissenschaften in der Lage, durch kreative und experimentelle Ansätze etwas zu erzeugen. Die Argumentation gegen eine Aufnahme dieser Branchen in die Zählung wurde schlussendlich damit begründet, dass die Kreativität eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftlerin dennoch auf logischem, systematischem Denken beruhe und nicht allein auf einem kreativen Prozess.

Heutzutage ist die Auffassung von Kreativwirtschaft je nach Region oder Land unterschiedlich. Manche Länder haben z.B. Gastronomie in die Zählung aufgenommen, andere hingegen fokussieren sich auf die traditionellen Künste.

Welche Politik den Weg der kreativen Wirtschaft bestimmen soll, ist ebenso strittig. Sie wird sowohl von der kulturellen, als auch von der wirtschaftlichen und sogar der Bildungspolitik berührt. Durch die Verbindung von Kreativität und Technologie waren gänzlich neue Bereiche und Fertigkeiten entstanden, was die gesamte Industrie verändert hat. Diese waren lange Zeit von der Politik unbedacht geblieben, da sie oft nicht die gängigen Wirtschaftskriterien erfüllten. Dabei weisen sie einen hohen, wirtschaftlichen Wert auf.

Der Wert der Kreativwirtschaft, so stellte man vor 10 Jahren fest, bemisst sich jedoch nicht nur in seiner Wirtschaftlichkeit. Kulturelle und soziale Werte werden durch Erschaffung und Verbreitung sog. „intellektuellen Kapitals“, das aus der Fusion von Kreativität, Kultur und Technologie entsteht, gefördert. Kreative Symbole, wie der Eiffelturm oder das Sydney Opera House, tragen zur Bildung von Identität eines Landes bei. Um die positiven Auswirkungen und den Aufschwung beizubehalten, so wird in dem Artikel berichtet, muss eine Wende in der Politik erfolgen. Sie sollte nicht nur die Kreativwirtschaft fördern, sondern auch die Bildungspolitik sollte sich dahingehend verändern, dass Kinder die Möglichkeit haben, Kreativität und Innovation zu entwickeln und beizubehalten. Der Ruf nach dem Schutz und der Unterstützung der Kreativwirtschaft durch die Politik, wird heute immer wieder laut.

Die Veränderungen der Jahre brachten dann 2014 eine neue Definition hervor, die von der Nesta Foundation  herausgegeben wurde. Diese bezeichnete die Sektoren der Kreativwirtschaft als solche, die sich auf die Nutzung kreativen Talents für kommerzielle Zwecke spezialisiert hatten. Im gleichen Jahr wurde jedoch ein gänzlich anderer Ansatz veröffentlicht: Es komme nicht darauf an, was die Kreativwirtschaft tue, sondern wie sie organisiert sei. Es haben sich im kreativen Sektor und dessen Umfeld viele kleine Unternehmen gebildet. Die Zunahme dieses Geschäftsmodells könnte ein Wandel in der Wirtschaft bedeuten, der Einfluss auf Arbeitsplätze, Lebensplanungen und letztendlich das Stadtbild hat.