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Studie: Österreichischer Film Gender Report (2012 – 2016)

Das Österreichische Filminstitut brachte im Mai 2018 den „Österreichischen Film Gender Report 2012-2016“ heraus.

© frei nach Creative Commons Kerry Lannert

Die Statistiken der elf Förderstellen, 100 Kinospielfilmen, 13 Filmfestivals und der Filmakademie Wien wurden von der Universität Wien aufbereitet. Die Aufstellungen zeigen auf, dass in der Filmindustrie Österreichs auf allen Ebenen noch lange keine Gleichberechtigung herrscht. Das Ergebnis mag erschreckend sein, doch überraschen wird es kaum jemanden.

Ein Blick auf die prozentuale Verteilung in der Stabsbesetzung von Filmen und Serien zeigt, dass über die Hälfte der Projekte in der Stoff- und Projektentwicklung einen Frauenanteil von maximal 25% haben. In der Herstellungsförderung sind bei einem Großteil der Projekte maximal die Hälfte der Beschäftigten Frauen. Lediglich in den geförderten Projekten zur Weiterbildung war der Frauenanteil höher. Frauen scheinen sowohl im Vorsitz von Wettbewerbsjurys, als auch bei Professuren unterrepräsentiert. Ihr Anteil in der Jury selbst und bei Dozierendenstellen hingegen ist deutlich höher. Ebenso ist die Zahl der Abschlüsse von Frauen und Männern an der Filmakademie Wien im Bachelor- und Masterstudiengang ungefähr gleich. Auf Festivals waren Filme von RegisseurInnen zwar deutlich seltener vertreten, wurden jedoch mit fast der Hälfte der Auszeichnungen überproportional häufig prämiert.

Was weiterhin auffällt, ist der sogenannte „Gender Pay Gap “. Dieser ist vor allem bei der Produktion von Fernsehserien deutlich zu spüren. Hier führen ca. ein Drittel der Frauen Regie, doch erhielten sie lediglich ein Zehntel der Honorare. Dagegen ist die Kinoproduktion, trotz dessen, dass Frauen auch hier schlechter bezahlt werden, besser aufgestellt. Blickt man sich die Zahlen im Detail an, stellt man fest, dass der Gender Pay Gap größer wird, je höher die Position der Frau ist.

Eine fehlende Gleichberechtigung in der Industrie scheint sich auch im Film nieder zu schlagen. Während 85% der männlichen Figuren in Kinofilmen differenziert dargestellt werden, so sind es bei den Frauen nur knapp die Hälfte. Rein weibliche Hauptfiguren kommen nur in Filmen vor, die von Frauen produziert wurden, der Anteil weiblicher Hauptfiguren sinkt mit der Zahl von Frauen in der Produktion. Auch die körperliche Attraktivität der Frau scheint von höherer Bedeutung zu sein. Drei Viertel der ausgesprochenen, filminternen Kommentare werden über weibliche Figuren gemacht.

Der Report zeigt, dass in der Filmindustrie noch viel Arbeit vonnöten ist, um Gleichberechtigung zu schaffen. Ob vielleicht Initiativen aus dem Ruhrgebiet, wie das „Internationale Frauenfilmfestival “ in Dortmund oder die „Oberhausener Frauenfilmtage “, ihren Beitrag dazu leisten können, ist noch nicht erwiesen. Klar ist jedoch, dass ein Bewusstsein geschaffen wurde, das bereit für Veränderungen in der Zukunft ist.

Interessant für die weitere Forschungsarbeit dieser Thematik wäre es, herauszufinden, wie diese Gleichberechtigung erreicht werden kann bzw. welche Maßnahmen dafür ergriffen werden können.

 

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