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Studie: Landeskulturbericht NRW analysiert Zukunftsfähigkeit der Kulturpolitik

Wie steht es um die Kultur in Nordrhein-Westfalen? Welche Daten geben darüber Aufschluss? Wie verändert sich das Kulturangebot und wie die Nachfrage? Was muss angepackt werden, damit sich Kunst entfalten kann? Und vor allem: In welchem gesellschaftspolitischen Zusammenhang verortet sich Kulturpolitik gegenwärtig und künftig? Antworten darauf gibt der Landeskulturbericht Nordrhein-Westfalen 2017.

© Matthias Neugebauer, frei nach Creative Commons

Mit dem Kulturfördergesetz von 2014 hat sich die damalige NRW Landesregierung den Auftrag zu „mehr Transparenz, Zielorientierung und Teilhabe aller Akteurinnen und Akteure“ gegeben – so der erste Landeskulturbericht von 2017, welcher die Umsetzung des zeitgleich initiierten Kulturförderplans einmal pro Legislativperiode begleiten und begutachten soll. Der Landeskulturbericht versteht sich mit dem Anspruch auf die Schaffung und Vermittlung von Erkenntnissen zur Lage des Kulturlands NRW auch als „Startschuss für kulturpolitische Forschung des Landes“, welche das Wissen kulturpolitischer Zusammenhänge stärken und die Landeskulturpolitik auf zukunftssichere Beine stellen will. Neben einer Bestandsaufnahme der kulturellen Infrastruktur und ihrer Finanzierung, der Analyse der kulturellen Beteiligung sowie Ausführungen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler unterbreitet der Bericht konkrete Vorschläge und Handlungsanweisungen und bezieht sich dabei explizit auf Projekte von ecce.

Für den Bericht wurden mehrere empirische Untersuchungen und Recherchen, darunter eine erstmalige Befragung aller NRW-Gemeinden und Landkreise des Landes zur kulturellen Infrastruktur, in Auftrag gegeben. Die fachliche Unterstützung erfolgte durch externe Expertise etwa seitens des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft. Im Abschlusskapitel zur Zukunftssicherung des NRW-Kulturlebens geht der Bericht auf das von ecce entwickelte Konzept zur Individuellen Künstlerförderung (IKF) sowie die Kreativ.Quartiere Ruhr ein.

Die Chancen und Herausforderungen des Kulturlands NRW sind in dem über 200 Seiten starken Bericht klar gezeichnet: Das Land verfügt über eine ausgeprägte Kulturlandschaft und Kreativwirtschaftsszene verfügt, welche aber durch die Nachfrageseite auf die Probe gestellt wird: Viele öffentlich geförderte Kultureinrichtungen sehen sich vor Allem bezüglich ihres traditionellen Angebots einem abnehmenden Publikumsinteresse gegenüber, während die Zahl der Kreativschaffenden zwar in einigen Branchen wächst, jedoch nicht unbedingt deren wirtschaftliche Produktivität. Der Bericht greift diese Schwachstellen gezielt auf und formuliert Perspektiven für eine Gestaltung zukünftiger Kulturpolitik, etwa „Individuelle Künstlerförderung stärken“ und „Digitaler Wandel und Kultur“. Während der Bericht in den Ausführungen zum Digitalen Wandel hervorhebt, dass „Einrichtungen wie die ecce GmbH (…) die Digitalisierung als einen Kernbestandteil ihrer Aufgaben zur Entwicklung der Kreativwirtschaft (verstehen), sieht er im Bereich individueller Künstlerförderung für ecce und dessen Förderprogramme eine gestaltende Rolle vor.

Auch wenn die Landesregierung und kulturpolitische Federführung sich wenige Monate nach Veröffentlichung des ersten Landeskulturberichts neu aufgestellt hat, bleiben Kulturförderplan und Landeskulturbericht als Bestandteile des Kulturfördergesetzes erhalten. Man darf also auch weitere Entwicklungen gespannt sein.

 

Link zum kompletten Bericht