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Studie: Kunst in der Einwanderungsgesellschaft

Deutschland ist das Land mit den drittmeisten EinwanderInnen, die aus 200 verschiedenen Länder kommen.

© frei nach Creative Commons Frank M. Rafik

Die Entwicklung ist kein Produkt der letzten Jahre, sondern setzte schon viel früher mit dem Zuzug von GastarbeiterInnen sowohl in die Bundesrepublik, als auch in die DDR, ein. Es ist sogar fraglich, ob jemals eine homogene Gesellschaft im Land bestanden hat, da auch die deutsche Kultur selbst eine hohe Bandbreite an Unterschieden aufweist. Doch vor allem die durch Migration entstandene kulturelle Vielfalt zählt zu einer zentralen Herausforderung der Gesellschaft. Welchen Beitrag Kunst für ein Zusammenleben in einer Welt kultureller Vielfalt schaffen kann, untersucht die folgende Studie  der Bertelsmann Stiftung  und der UNESCO .

Kultur, so definierte es die UNESCO bereits 1982, umfasst neben der Kunst auch Lebensform, Wertesysteme, Traditionen und Glauben und macht damit den Menschen zu dem, was er ist. Kulturen sind nach dieser Definition gleichwertig und Basis von Identität. Es kommt nicht darauf an, eine monokulturelle Gesellschaft zu erschaffen, sondern ein Zusammenleben zu kreieren, das sowohl Vielfalt, als auch Widerspruch und Konflikt anerkennt. Was jedoch erfolgen muss, ist eine Anstrengung von beiden Seiten, um Schwierigkeiten auszusprechen und anzugehen und Konflikte beizulegen.

Für einen Austausch werden meist gemeinsames Musizieren oder Tanzen vorgeschlagen, das letztendlich ohne Sprachkenntnisse auskommt. Doch auch andere Künste bieten die Möglichkeit, Identitäten zu reflektieren und neu zu formen. Innere Konflikte können dadurch nach außen getragen und greifbar gemacht werden. Das durch das Landesprogramm Kreativ.Quartiere Ruhr  geförderte Projekt „Von der Flucht zu den Künsten“  der Samadhyana Company  setzt sich mit genau diesem Aspekt auseinander. KünstlerInnen treten dabei in Interaktion mit geflüchteten Menschen durch Workshops im Bereich Tanz und Musik.

Es hat sich gezeigt, dass diejenigen Projekte nachhaltig sind, die neue AdressatInnen erreichen und die sowohl MigrantInnen, als auch Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft einbinden. Sie sollten darauf hinarbeiten, Schwellen abzubauen und einen Zusammenhalt zwischen den AkteurInnen und Beteiligten zu erzielen. Auch eine öffentliche Resonanz, z.B. durch Presse, kann den Erfolg eines Projektes stärken.

Welche Bedingungen für das Gelingen eines Projektes sind zudem essentiell? Die Studie schlägt v.a. den Städten und Kommunen sieben Handlungsempfehlungen vor:

• Interkulturelle Angebote der öffentlich geförderten Kunst- und Kultureinrichtungen weiter stärken und verstetigen, damit sie sich nicht nur an die Mehrheitsgesellschaft richten,

• Künstlerische Selbstorganisation und -kompetenz von EinwandererInnen, Geflüchteten und ExilantInnen fördern, z.B. durch Räume und Produktionsmöglichkeiten sowie Kompetenzen wie beispielsweise Koordination und mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit,

• Langfristige Förderung ermöglichen,

• Junge Menschen als Multiplikatoren und Teamer für kulturelle Vielfalt ausbilden, da vor allem die jüngere Generation eine heterogene Herkunft aufweist,

• Bildungsangebote zur Geschichte als Historie kultureller Vielfalt ausweiten, z.B. in Bezug auf die deutsche Nachkriegsgeschichte,

• Wissen generieren und Empirie verstetigen, um aufgrund dessen wirksame Interventionen zu entwickeln,

• Langfristige Begleitforschung ausbauen, um zu verstehen, zu welchem Verständnis von kultureller Vielfalt künstlerische Projekte führen.