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Studie: Kreativ.Quartiere global: WCCF-Bericht über Räume für Kultur

Städte brauchen ein reichhaltiges Kulturleben – so die nicht überraschende Überzeugung des World Cities Culture Forum (WCCF)

© WCCF

In dem Report „Making Space for Culture “ im Rahmen der Policy and Practice Series geht es aber vor allem um eine kluge Verknüpfung von Kulturpolitik mit infrastrukturellen Maßnahmen und Stadtentwicklung – ein Gedanke, aus dem auch die Kreativ.Quartiere Ruhr  entstanden sind. Ausgangspunkt der Publikation ist ein Dilemma, vor dem vor nicht nur, aber vor allem Metropolen und Megacitys stehen: Einerseits gilt es für die Entscheidungsträger, ihren Städten Investitionen und Wachstum zu sichern, andererseits leiden oft gerade diejenigen unter erhöhten Mietpreisen und Gentrifizierung, welche zur Attraktivität der Städte maßgeblich beitragen: Künstler und Kreativschaffende. In manchen Städten wiederum führen Populationswachstum oder die Zusammenlegung von Gemeinden zu wirtschaftlichen und sozialen Gleichgewichtsverschiebungen, die es zu bewältigen gilt. Das Handbuch des WCCF nimmt sich der Herausforderung vieler Städte an, Räume für Kreativität, künstlerisches Schaffen und kulturelle Teilhabe auch unter erschwerten Bedingungen zu erhalten und fortzuentwickeln. Der Co-Autor und Kulturentwicklungsexperte Tim Jones von Artscape  sieht die Städte von zwei Risikofaktoren um ihren kulturellen Reichtum bedroht: zum einen durch den Wegzug Kreativer der unteren und mittleren Einkommensklassen, zum anderen durch den sukzessiven Verlust von Räumen für Kulturveranstaltungen und kreativwirtschaftliche Produktion. Zur Skizzierung möglicher Lösungsansätze auf verschiedene Ausgangslagen stellen die Autoren zwölf Beispiele aus Partnerstädten des WCCF vor – darunter verschiedene Strategien zum Aufbau oder Erhalt von Räumen für Kreative, aber auch zur Begegnung zwischen Kreativen und Anwohnern oder, wie in einem Tokioter Beispiel, zur Stärkung traditioneller Kultur vor Ort. Das Ziel des WCCF ist es, aus den positiven Ansätzen übertragbare Maßnahmen in Form eines Toolkits zu versammeln, die städtischen Entscheidern bei der Entwicklung eigener Strategien hilfreich sein werden. Einen wesentlichen Schlüssel sieht das WCCF in Form eines „Re-framing the Narrative about Artists in Urban Development”: Zum einen sollten weniger die Bedarfe als vielmehr die Ressourcen von Kulturschaffenden und Kreativen bei der Argumentation um Förder- und Finanzierungshilfen sowie Planungsmaßnahmen in den Vordergrund gerückt werden, zum anderen könne es helfen, die Bedrohungslage der kreativen Klasse ins größere Bild zu setzen – schließlich seien auch andere, breite Bevölkerungsschichten von ähnlichen Problemen betroffen.

 

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