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Studie: Experimentelle Kultur – eine Vorausschau

Was erwartet Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft am Zukunftshorizont?

© frei nach Creative Commons Les Chatfield
© frei nach Creative Commons Les Chatfield

Eine Studie des Arts Council England und der Nesta Foundation untersucht, mit welchen Entwicklungen die Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft in naher Zukunft konfrontiert werden wird. Sie bezieht sich dabei auf Daten aus Großbritannien, man kann jedoch einige Phänomene auch auf die deutsche Gesellschaft übertragen.

Dazu zählt unter anderem die Veränderung der Gesellschaftsstruktur. In den jüngeren Generationen nimmt die kulturelle Bildung trotz einfacherem Zugang durch digitale Medien deutlich ab. So wird in Zukunft nicht nur ein potenzielles Publikum fehlen, auch der kreative Nachwuchs wird laut Prognose zurückgehen. Kunst und Kultur steht bei jungen Zuschauenden in Konkurrenz mit anderen Unterhaltungsmöglichkeiten und -medien und muss in Anbetracht dessen vielleicht alte Traditionen aufgeben. Junge Menschen wollen nicht nur in ihrer Rolle als Konsumierende verharren, sondern selbst aktiv am künstlerischen Prozess teilhaben und eventuell sogar dabei mitwirken. Möglich ist dies im Ruhrgebiet zum Beispiel im Theater „Rottstraße 5 “, welches das Jugendtheater „Young ‚n‘ Rotten “ anbietet, das im Zuge des Landesprogrammes Kreativ.Quartiere Ruhr gefördert wird.

Weiterhin werden in dem Bericht eine Veränderung der Beschäftigten und benötigten Fähigkeiten prognostiziert. Großbritannien hat einen starken Beschäftigungszuwachs in der Kreativbranche, vor allem im Bereich Musik, visuelle und performative Kunst, erlebt. Gleichzeitig wird vermehrt nach Menschen mit Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bereichen Animation, visuellen Effekten sowie Videospielen gesucht.

Der Blick wird zudem auch auf die Finanzierung gerichtet. Eine Internationalisierung des Marktes schafft zwar ein größeres, potenzielles Publikum. Gleichzeitig steigt auch die Zahl potenzieller Konkurrenz. Von Politik und Land wird stetig weniger Geld zur Förderung von KünstlerInnen bereitgestellt. Immer mehr Kunstschaffende greifen daher auf Crowdfunding oder Patronagen zurück, wie z.B. über die Plattform „Patreon “.

Eine allgemeingültige Anleitung für den Umgang mit den angesprochenen Veränderungen schlägt Nesta nicht vor. Allerdings spricht sie vier Bereiche an, die gestärkt oder verändert werden sollten, um den Entwicklungen in Zukunft begegnen zu können:

  • Das Schaffen einer Kultur von Experimenten innerhalb von Organisationen, ob nun klein oder groß angelegt, um neue Methoden und Praktiken auszutesten,
  • Datennutzung zur Optimierung von Businessprozessen sowie zum Verständnis und besseren Erreichens des Publikums,
  • Formung und Stabilisation von Partnerschaften zum einen zur Erreichung neuen Publikums zum anderen für den Austausch spezialisierter Fähigkeiten und weiterhin zur Verbesserung der Effizienz durch geteilte Services, Einrichtungen und Anschaffungen,
  • Das Ziel ein breiteres Publikum anzusprechen, indem man entweder Verbindungen zur lokalen Gemeinschaft stärkt oder durch digitale Medien weit gestreute Zuschauende gewinnt

 

Link zur Studie