| News, Forschung & Evaluation, Studie

Studie: Ende der Arbeit?

CSP.HUB NRW analysiert Ansätze zur Ermittlung von Beschäftigungseffekten durch Automatisierung

© frei nach Creative Commons John Santerre

Geht uns die Arbeit aus? Zur großen Popularität dieser Fragestellung hat auch eine aufsehenerregende Studie  von Carl Frey und Michael Osborne (2013) beigetragen. Diese prognostizierte knapp der Hälfte aller Beschäftigten des US-Arbeitsmarkts, in ein bis zwei Dekaden vollständig maschinell ersetzbar zu sein. Auf andere Länder, darunter Deutschland, übertragene Studien kamen auf ähnliche Ergebnisse. Während die Frey-Osborne-Studie ihr lang anhaltendes Medienecho fand, wurden bald darauf alternative Ansätze  auf dem Plan gerufen – mit vergleichsweise moderaten Schätzwerten. In der Metastudie „Geht uns die Arbeit aus?“   (2018) nehmen Bajram Dibrani, Monika Gatzke und Bastian Politycki von der Bergischen Universität Wuppertal und dem CPS.HUB NRW – Competence Center for Cyber Physical Systems  verschiedene Untersuchungen zur Substituierbarkeit von Arbeitsplätzen unter die Lupe. Sie erklären, warum es wichtig ist zwischen Berufen und Tätigkeiten zu unterscheiden und auch der jeweils betrachtete Zeithorizont eine große Rolle für die Ergebnisse und deren Vergleichbarkeit spielt. Als relativ „automatisierungssicher“ gelten diejenigen Arbeitsplätze, welche von interaktiven oder schöpferischen Tätigkeiten sowie sozialen Kompetenzen abhängen. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass der rasante technische Fortschritt kürzliche Einschätzungen bezüglich der (Nicht-)Automatisierbarkeit menschlicher Fähigkeiten schnell revidieren kann. Andererseits muss eine potenzielle maschinelle Ersetzbarkeit noch keinen „Wegfall“ von Arbeitsplätzen bedeuten, da rechtliche aber auch Kostenfragen im Zweifelsfall zugunsten der menschlichen Arbeitskraft entscheiden könnten.

Zudem treffen die gängigen Untersuchungsansätze keine Aussagen über positive Arbeits- und Wohlfahrtseffekte aufgrund von Digitalisierungsprozessen.

Auf Grundlage verschiedener Veröffentlichungen werfen Bajrami et al. einen Blick auf die deutschen Bundesländer mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen bezüglich ihrer geschätzten „Wettbewerbsfähigkeit“ im Kampf Mensch gegen Maschine. Dabei zeigt sich, dass ein Strukturwandel im Gange ist, der insbesondere Regionen mit hohem Anteil an Dienstleistungs- und niedrigem Anteil an Fertigungstätigkeiten begünstigt: In Nordrhein-Westfalen, das bezüglich des Substituierungspotenzials der Beschäftigten etwas über dem bundesdeutschen Durchschnittswert liegt, sind demnach die Großstädte Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund und Münster im Vorteil, während insbesondere das Bergische, Sieger- und Sauerland strukturelle Nachteile bezüglich einer zukünftigen Automatisierung aufweisen.

 

Link zur Studie