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Studie: Crowdlending Umfrage in der Schweiz

Crowdlending bietet Finanzierungsalternativen und erfreut sich steigender Beliebtheit.

© frei nach creative commons Espen Sundve
© frei nach creative commons Espen Sundve

Die Kooperation, bestehend aus dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern, PricewaterhouseCoopers und der Swiss Marketplace Lending Association untersuchte bereits im Jahr 2017 die Entwicklungen dieses alternativen Kredit- und Finanzierungsmodells. Crowdlending – oder auch Peer-to-peer lending – wird zwar immer populärer, viele haben jedoch den Begriff nur wahrgenommen, ohne seine Bedeutung zu kennen. Dabei ist das Geschäftsmodell recht simpel: Auf einer Online-Plattform werden KapitalnehmerInnen und KapitalgeberInnen aneinander vermittelt.

Kapitalnehmende, die einen Kredit suchen, sind meist Privatpersonen, können aber auch Unternehmen sein. Um einen Antrag zu stellen, müssen sie einige Daten offenlegen, können aber nicht als „kreditunwürdig“ abgelehnt werden. Bei den Kapitalgebenden, die den Kredit stellen, handelt es sich nicht nur um Stiftungen und Organisationen, sondern auch um private AnlegerInnen, die einen selbst gewählten Betrag investieren können. Die Zinsen werden bei jedem Kredit individuell festgelegt und hängen in der Regel von der Laufzeit, der Höhe des Betrags und dem Ausfallrisiko des Kapitalnehmenden ab. Der Kredit kommt erst dann zustande, wenn die komplette Summe finanziert ist. Oft ist es so, dass ein Kredit durch mehrere KapitalgeberInnen zustande kommt, daher der Name Crowdlending.

Die vermittelnde Plattform sorgt dafür, dass Raten gezahlt werden und die Konditionen eingehalten werden. Im Gegenzug wird je nach Modell ein Beitrag durch den Kapitalnehmenden oder -gebenden an die Plattform fällig. Das Crowdlending bietet für private GeldanlegerInnen eine neue, relativ risikofreie Sparte. Der Unterschied zum Crowdfunding besteht darin, dass beim Crowdlending der Betrag mit Zinsen an die Investoren zurückerstattet wird. Beim Crowdfunding hingegen erhalten InvestorInnen meist (kleine) „Goodies“ oder das Produkt, in dessen Herstellung sie investiert haben.

Wie viel Geld wird pro Jahr durch Crowdlending verliehen?

Im Jahr 2016 betrug das Kreditvolumen in Deutschland ca. 200 Mio. Euro. Das meiste entfiel auf Consumer Crowdlending, also auf Privatpersonen als Kreditnehmende. Das Geld wird zumeist in Umschuldungen, Bildungskredite oder Kredite für Autos, Reisen oder Hochzeiten investiert. Rund 11% der Crowdlending-Kredite wurden im Bereich Business Crowdlending, also Kreditvergabe an kleinere Unternehmen, vergeben. Sie ermöglichten Projektfinanzierung und Kurzfristkredite für Liquiditätsmanagement. Noch scheint der Markt weitestgehend unerschlossen, doch die Zuwachsraten belegen, dass der Anteil von Crowdlending zunehmen wird.

Vor allem für KünstlerInnen, die es als Selbstständige oft schwer haben, einen Kredit zu bekommen, ist die Möglichkeit des Crowdlendings eine gute Option. Hier zählt oft auch die Idee und ob InvestorInnen diese unterstützen möchten. Wo Crowdlending noch neu ist, zählt Crowdfunding bereits zu einer vielfach genutzten Option. Ein Beispiel dafür ist das „Wehringhauser Schnurlos Festival “, ein alternatives Musikfestival aus Hagen, bei dem die Musikanlagen mit Akkus und nicht per Netzstrom betrieben werden. Dieses war 2016 und 2017 von dem Landesprogramm Kreativ.Quartiere Ruhr gefördert worden und finanzierte sich 2018 erfolgreich mittels Crowdfunding.

Den Plattformen wird eine günstige Prognose eingeräumt. Allerdings befürchten einige InhaberInnen, dass es zu Reputationseinbußen kommen könnte, sollte es gehäuft auftreten, dass KreditnehmerInnen nicht zahlen können. Das wäre verheerend, denn noch ist das Crowdlending dabei, sich als Alternative zu etablieren und KreditgeberInnen und -nehmerInnen gleichermaßen zu akquirieren.