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#musicmovesruhr – Fördermöglichkeiten für den Musiksektor

Am 8. Oktober gaben ReferentInnen aus ganz Deutschland in der Rotunde Bochum einen umfassenden Überblick über die Popmusikförderung in NRW, Deutschland sowie der EU und diskutierten darüber, wie angemessen die aktuellen Fördermechanismen sind.

 

© Sebastian Becker / ecce

„Welche Fördermöglichkeiten, Weiterbildungsangebote und Netzwerke für den Musiksektor gibt es auf regionaler, Landes-, Bundes- und Europa-Ebene?“ Die Leitfrage der Veranstaltung gab bereits einen Ausblick auf den ambitionierten Anspruch, die gesamte Förderlandschaft für MusikerInnen, VeranstalterInnen und BesitzerInnen von Veranstaltungsorten informativ aufzubereiten. Rund 80 TeilnehmerInnen versammelten sich in Bochum, um sich hierzu zu informieren und auszutauschen.

 

Eröffnet wurde der Tag mit Grußworten von Jörg Obereiner (RVR), Bertram Frewer (Kulturbüro Stadt Bochum) und Prof. Dieter Gorny (ecce), der die Kulturpolitik adressierte: „Die konventionelle Kulturförderung darf nicht an den Grenzen der Subventionierung aufhören, dort beginnt sie erst.“


Zum inhaltlichen Einstieg zeigte Hendrik Stratmann (create music NRW) in einem Impulsvortrag die Stärken und Schwächen der popkulturellen Infrastruktur des Ruhrgebiets auf. Basierend auf einer Erhebung des vom RVR und ecce initiierten Arbeitskreises Pop, machte Stratmann deutlich, wo die Bedarfe der populären Musikszene des Ruhrgebiets liegen: Zugang zu Proberäumen, Auftrittsmöglichkeiten und Fördergeldern. 

 

Von diesem Status Quo ausgehend, weitete sich der geografische Fokus der Veranstaltung sukzessive: Fördermöglichkeiten auf Länderebene wurden von Katja Lucker behandelt, die mit der Entstehungsgeschichte des Musicboard Berlin auch gleich den Blick über den Tellerrand mitlieferte und eine Außenansicht auf den Musiksektor des Ruhrgebiets bot. Ihr Rat: „Lobbyismus für die gute Sache ist nichts Verwerfliches“ und sei wichtig für den Musiksektor des Ruhrgebiets. Voraussetzung dafür sei es, mit einheitlicher Stimme zu sprechen und die einzelnen Teilbereiche (KünstlerInnen, VeranstalterInnen, FördergeberInnen) nicht gegeneinander auszuspielen.

 

Nachdem Norbert Oberhaus (c/o pop) einen Einblick in die Struktur des Musiksektors in NRW gegeben hatte, stellte Mike P. Heisel (Initiative Musik GmbH) detailliert die Fördermöglichkeiten und Projekte – z.B. die Koordinierung des Deutschen Auftritts auf der SXSW in Austin – der Initiative Musik vor. Nach einer Pause, die für rege Diskussionen und das Netzwerken genutzt wurde, beschrieb Karsten Schölermann (LiveMusikKommission e.V.) die Sichtweise der VeranstalterInnen der Clubszene und Festivalwelt. Besonders betonte er die prägende Rolle, die kleinere Live-Musikstätten und -Clubs für den Werdegang von KünstlerInnen an der Schwelle der Professionalisierung haben, die sich Bekanntheit und Publikum erspielen müssen. Es liege also im Interesse von VeranstalterIn und KünstlerIn gleichermaßen, sich für Förderung und Erhalt von Live-Musikstätten einzusetzen.

Einen weiteren wichtigen Aspekt, die Geschlechtergleichstellung in der Musikindustrie, behandelte Désirée Vach: "Wir haben festgestellt, dass Frauen im Musiksektor ein Netzwerkdefizit haben. Dem wollen wir entgegenwirken." Sie stellte das kürzlich gegründete Netzwerk Music Women Germany und das Mentoringprogramm Music Industry Women vor, die sich für Austausch, Sichtbarkeit und Qualifizierung von Frauen in der Musikszene einsetzen. Zum Abschluss des Vortragsteils gab Lea Stöver (Creative Europe Desk KULTUR) eine strukturierte Übersicht über Programme der EU-Kulturförderung, sowie die gegenwärtige und zukünftige Förderstrategie, auch im Vergleich zu anderen Sektoren – wie beispielsweise Film & Medien.


In der abschließenden Publikumsdiskussion entwickelten sich spannende Ideen für angemessene Methoden der Kulturförderung und, in Ansätzen, eine Strategie, wie die gemeinsamen Ziele erreicht werden können. Alle Beteiligten einte die Erkenntnis, dass eine Zersplitterung des Sektors in unterschiedliche Interessengruppen kontraproduktiv sei und vielmehr – in Analogie zur Filmwirtschaft – ein gemeinsames Auftreten von ProduzentInnen und VerwerterInnen auch für die Popmusik angeraten sei. Die altbekannte Zweiteilung zwischen Pop- und Hochkultur, die sich auch im Maße der strukturellen Förderung bemerkbar niederschlage, würde zunehmend aufgeweicht. Gleichzeitig rücke eine neue Generation nach, die im Einklang mit gesamtgesellschaftlichen Forderungen – zum Beispiel nach Diversität und ökologischer Sensibilität – ihre Ansprüche auf verlässliche Förderstrukturen in Zukunft selbstbewusst vertreten müsse.