Der politische Kontext

Die lettische EU-Ratspräsidentschaft machte 2015 Spillover-Effekte von Kultur und Kreativwirtschaft in gesellschaftliche Bereiche zu einem ihrer Hauptthemen. Dank des Engagements von Dace Melbārde, Kulturministerin der Republik Lettland, haben im Juni 2015 die Kulturminister Europas erstmals Maßnahmen zur Förderung der Effekte von Kultur und Kreativwirtschaft in Innovation, ökonomischer Nachhaltigkeit und sozialer Inklusion beschlossen.

Start des Netzwerks

2013 wurde das Network for Innovations in Culture and Creativity in Europe (N.I.C.E.) durch ein Konsortium aus 15 europäischen Städten, Hochschulen, Agenturen und Persönlichkeiten unter der Federführung vom european centre for creative economy (ecce) ins Leben gerufen, gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. N.I.C.E. treibt und fördert seitdem die Sichtbarkeit von Innovationen aus der Kultur und Kreativwirtschaft, die Spillover-Effekte – zum einen durch den N.I.C.E. Award, zum anderen durch politische Arbeit im Europäischen Parlament. So war es kein Zufall, dass ecce und das European Creative Business Network (ECBN) die Kulturkonferenz der lettischen EU-Ratspräsidentschaft in Riga eröffneten – mit einer Keynote über Spillover-Effekte von Kultur und Kreativwirtschaft. Das N.I.C.E.-Netzwerk kann 2015 einen vorläufigen Höhepunkt des noch jungen Award feiern – mit 213 Einreichungen aus 29 Nationen zum Aufruf: „Solving the world´s major challenges“.

Die N.I.C.E. Award Shortlist 2015

Die Bewerbungen waren von hohem Niveau und alle eingereichten Projekte hatten zum Ziel, die Welt durch Innovationen zu verändern und somit positiv zu beeinflussen – sowohl in ihrem direkten Umfeld als auch global. Das Projekt „WikiHouse“ aus Großbritannien überträgt Open-Source-Design auf den Hausbau: Eine weltweite Plattform für Selbstbausysteme kostengünstiger, energiesparender und bedürfnisgerechter Häuser. Die EntwicklerInnen von „Fontus and Airo“ aus Österreich konzipierten Wasserflaschenmodelle, die sich selbstständig auffüllen und nie leeren: Angetrieben von Solarzellen kann das System, am Fahrrad oder Rucksack montiert, bis zu 0,8 Liter Wasser pro Stunde aus der Umgebungsluft filtern. Auf gesellschaftliche Inklusion zielt „Smarter Than You Think“ aus Belgien, eine Kampagne mit dem Ziel Legasthenie in das gesellschaftliche Bewusstsein zu bringen sowie Verständnis und Empathie gegenüber dieser Beeinträchtigung zu fördern. „HELIX Studio“ aus Großbritannien erforscht die Möglichkeiten, die Design für den Gesundheitssektor bietet. In einer Design-Thinking-Kooperation von Universitätsklinik und Kunsthochschule ist es das Ziel, patientenorientierte Lösungen zu finden und umzusetzen.

Der N.I.C.E. Award Gewinner 2015

„THE MACHINE TO BE ANOTHER“ ist ein Kunstexperiment: Konzipiert als interaktive Installation bietet die Maschine seinen NutzerInnen die Möglichkeit in die Lebensgeschichte einer anderen Person einzutauchen, indem sie sich selbst im Körper des Gegenüber sehen und an dessen Gedanken teilhaben. Dieses Kunstprojekt erhält durch das Phänomen der Massenmigration in Europa eine ganz neue Aktualität. Die gesellschaftliche Herausforderung besteht hier aus dem gegenseitigem Verständnis kultureller Unterschiede in kürzester Zeit: Kann solch ein Empathie-Experiment sogar helfen, die entstehenden gesellschaftlichen Spannungen zu überwinden? Kann dieses Kunstprojekt einen Impuls für friedliche Diskussionen in einer höchst angespannten Gesellschaft geben? Diese Fragen, diese Perspektiven und Hoffnungen haben die Jury bewogen, „THE MACHINE TO BE ANOTHER“ mit dem 1.Preis des N.I.C.E. Award auszuzeichnen. Der N.I.C.E. Award wurde von Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, verliehen. Die Kooperation von Kultur- und Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen ist ein Modell für künftige neue Systeme der Innovationsförderung, so wie es die Europäische Union fordert – ein Spillover-Effekt?

Wir glauben, dass die Förderung von kulturellen und kreativen Innovationen zur Agenda 2020 in Europa eine vielschichtige, wenn nicht eine integrative Strategie benötigt. Mehr Sichtbarkeit für kulturelle Innovationen durch den N.I.C.E. Award ist ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der Agenda 2020, doch noch nicht ausreichend. Mehr Innovationen in Politik und Förderung müssen dazu kommen. Auch dafür wollen wir uns mit Ihrer Unterstützung einsetzen!