ecce - european centre for creative economy
  • Newsletter ecce - 2014 #3

liebe Kreative und Kulturschaffende,
Liebe Freunde und KollegInnen,

„In nahezu allen Branchen ist derzeit nichts mehr wie es vorher war. Ob Thyssen-Krupp, Deutsche Bank oder der Zeitschriftenverlag Gruner & Jahr, die individuellen Situationen sind zwar immer verschieden. (...) Das Management dieses Wandels ist inzwischen eine der Hauptaufgaben von Managern.“ (SZ 29./30. November 2014, Seite 28 / Wirtschaft). Dieser Wandel, der auch ein kultureller ist, wird nicht nur durch die Märkte allein, sondern auch durch Innovationen, Impulse und Inhalte der Kultur und Kreativwirtschaft angetrieben. Dies belegen zahlreiche Veranstaltungen, Workshops, Seminare und Konferenzen in diesem Herbst, die die dritte Ausgabe des ecce-Newsletters 2014 in den Blick nimmt.
Bielefeld: Eine Fliege verwandelt einen traditionsreichen Pestizid-Hersteller aus dem Westfälischen zum innovativen Dienstleister für das erste ökoneutrale Insektenschutzmittel der Welt: Ein Markt der Zukunft, entstanden aus einer künstlerischen Intervention, die im Herbst diesen Jahres in Essen mehr als 30 Unternehmen faszinierte. München: TechCamp, Kopenhagen: Creative Business Cup, Brüssel: Creative Shift Forum, Duisburg: AUFTAKT oder Amsterdam: European Creative Industries Alliance – vom Modelabel aus Gelsenkirchen bis zu IKEA auf dem Creative Business Cup: Sie alle verbindet die Suche nach neuen Geschäftsmodellen oder neuen Märkten in der digitalen Welt. 
Neue Geschäftsmodelle und Neue Märkte: All dies geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern zumeist in Umbrüchen und Wirtschaftskrisen. Der digitale Wandel im Pressemarkt betrifft nicht nur das Ruhrgebiet –  bundesweit schrumpfte die Zahl der Erwerbstätigen von 2009 bis 2012 um 5,5% (Monitoring Kultur- und Kreativwirtschaft 2013). Der bundesweite Werbemarkt und Kunstmarkt befinden sich ebenso in der Krise, andere wachsen wie Darstellende Kunst, Software und Architektur –  letztere im Ruhrgebiet sogar stärker als im Bundesdurchschnitt. Im Herbst 2014 hat die Prognos AG die Wirtschaftsdaten der Kreativwirtschaft Ruhr auf der von ecce und wmr organisierten Konferenz AUFTAKT in Duisburg vorgestellt. Hier erhalten Sie einen Einblick in die Zahlen und in die Diskussionen um den erforderlichen Kulturwandel im Ruhrgebiet: Wie können welche Branchen der Kreativwirtschaft Ruhr erfolgreich im digitalen Wandel bestehen? Diese Frage gehen wmr und ecce in 2015 in mehreren Workshops mit den Kreativen und Kulturschaffenden gemeinsam an – auch ein Kulturwandel in der Förderung der Kreativwirtschaft.

Gelsenkirchen: Mode-Innovationen

In die ganze Welt
Der Fashiontrend „Melting Tights“ der beiden Schwestern Sara (25) und Joe (21) Urbais aus Gelsenkirchen mit ihrem Modelabel URB Clothing macht Furore auf dem internationalen Modemarkt. Der „Spiegel“ berichtete, die „Welt“ war auch schon da – aber erst, nachdem die internationale Modeszene Gelsenkirchen entdeckt hatte. Denn vor allem in Nordamerika und Asien sind die mit Latex bearbeiteten Strumpfhosen, die aussehen, als würde Farbe an den Beinen herunterlaufen, ein Hit. Ob an Paris Hilton oder andere Sternchen – die Jungunternehmerinnen aus Gelsenkirchen verkaufen etwas Einmaliges – und darauf haben sie sogar ein Patent. Nicht nur einflussreiche Modeblogger verbreiteten seit einer Weile also den Trend des kleinen Gelsenkirchener Labels, auch große Fashion-Magazine wie die „Vogue“ berichteten schon über die Melting Tights. Warum? Weltweiter Modetrend und Gelsenkirchen – das bildet eben auch PR-mäßig einen Kontrast, der wie für die Medien gemacht ist. „Wenn wir in eine Stadt wie Berlin gehen würden, wäre unser Markteinstieg allein schon wegen höherer Mietpreise und fehlendem Netzwerk sehr hoch“, meint Daniel, Manager von URB. Grob verputzte, dunkel gestrichene Wände, Ledercouch und Kleiderstangen mit Teilen der aktuellen Kollektion – hier empfangen die URB-Designerinnen Einkäufer und Presseleute aus aller Welt und von hier aus wollen sie durch ihr Unternehmen auch den Stadtteil verändern.

Der Vorteil der Provinz
Die kreative Freiheit in einer modefernen Stadt können die beiden Designerinnen nicht nur in ihrem Atelier ausleben, sondern auch draußen in den Straßen, Hinterhöfen und Immobilien der unmittelbaren Nachbarschaft. Die gilt zwar als sozialer Brennpunkt, doch gerade das macht für die Geschwister den Reiz aus, ungewöhnliche Locations mit Ausstellungen oder Events zu bespielen. „Das Coole an Ückendorf ist, dass die Fassaden zwar schäbig aussehen, doch wenn man dahinter guckt, in die Hinterhöfe geht, man immer auf interessante Orte trifft und die Menschen, die man kennenlernt sehr herzlich und offen sind“, sagt Joe. „Das Viertel hier hat einfach Potenzial – vor allem für Kreative“. Für die Zukunft wünschen sich die beiden, dass sich mehr Kreative hier ansiedeln. Mit ihrem internationalen Renommee in der Modeszene und ihrem unternehmerischem Erfolg sind die beiden URB-Schwestern Sara und Joe Urbais Beleg für die auch von ecce geteilte Annahme, dass Kunst und Kreativität Einfluss sowohl auf den Stadtraum aber eben auch die Stadtökonomie nehmen. Die beiden jungen Frauen vertreten dabei eine neue Generation von DesignerInnen und Kreativen, die zwar standortunabhängig ihr Business im Internet betreiben, aber ihr direktes Lebensumfeld – sozial und ökonomisch – verändern wollen. Kunst in die Wirtschaft verstehen sie anderes herum: Ein Unternehmen kann auch durch Kreativität und den Anspruch Einfluss zu nehmen, auch das ökonomische urbane Umfeld positiv verändern.

Text: Carmen Radeck/Bearbeitung C. Caravante; Foto © Vladimir Wegener 

Europa: Initiativen für Innovation im Herbst 2014

TechCamp, München – Creative Business Cup, Kopenhagen – Creative Shift Forum, Brüssel: nur einige Beispiele aus einer Vielzahl von Initiativen für Innovation, die im Herbst 2014 in ganz Europa stattgefunden haben. Ein Ziel haben sie alle gemeinsam: Neue Dienstleistungen der Kreativwirtschaft für die Wirtschaft im Allgemeinen. Doch was sind „neue Dienstleistungen" genau? Wer sind die potenziellen NutzerInnen oder AdressatInnen solcher Dienste – die Kultur- und Kreativwirtschaft selbst, andere Wirtschaftsbranchen oder auch nicht kommerzielle AkteurInnen und Branchen? Wer sind die Hauptförderer dieser Initiativen und was sind ihre Interessen? Verbessern solche Initiativen tatsächlich die Grundstruktur und Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft?

TechCamp - Digitale trifft traditionelle Wirtschaft

Innovative digitale Serviceangebote für Inkubatoren, Cluster und Gründungszentren wurden in München vom 26. bis 27. November auf dem TechCamp des European Business Network (EBN) präsentiert: Die Förderung dieser Dienstleistungen ist ein kontinuierlicher Service von EBN – dem größten und ältesten Netzwerk für Inkubatoren in Europa mit rund 160 zertifizierten Mitgliedern. Begonnen hat EBN mit dem „Integrativen Handbuch für innovationsbasierte Inkubatoren" (Smart Guide to Innovation-based Incubation), der zu den anerkannten Standardwerken in Europa gezählt wird. In 2014 hat EBN dann den nächsten Praxis-Leitfaden für KulturunternehmerInnen publiziert, der aus dem "3C 4 Incubators Projects of MED Capitalization" entstanden ist.

EBN
ist ein Knowhow Produzent für Business-to-Business Innovation. Das TechCamp in München wurde folgerichtig in einem Veranstaltungsformat der digitalen Welt, einem „Camp" ausgerichtet. Ein Camp steht für das neue soziale Leben der digitalen Wissensgesellschaft und Wirtschaft: informell, schnell, temporär, ergebnisorientiert. Doch die überwiegend öffentlich finanzierte Inkubatoren stehen für eine andere Tradition. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese beiden Geschäfts- und Innovationskulturen vertragen – einerseits die privat finanzierte schnelle Welt, andererseits die öffentlich finanzierte, langsame Welt. Das Zusammenspiel – oder eher das Aufeinanderprallen – dieser beiden, doch sehr unterschiedlichen Welten kann Störungen und Veränderungen verursachen und so zu vielversprechenden radikalen Innovationen führen. Im nächsten Schritt könnte sich die alltägliche Geschäftskultur ändern. Die EBN Innovation-Dienstleistungen wenden sich zur Zeit an die 160 EBN-Mitglieder, doch die Impulse für wirtschaftlichen Wandel reichen weit darüber hinaus. Auch hier ist zu beachten, was für Innovation im Allgemeinen gilt: Die Effektivität und Wirkungen eines TechCamp können nicht vorausgesehen werden.

The Creative Business Cup - Wirtschaft trifft Gesellschaft
 

Der Internationale Preis für Kreative Unternehmen ("International Creative Business Cup", CBC) besteht aus einem internationalen Wettbewerb, der auf rund 40 nationalen Wettbewerben beruht, einem Unternehmer-Forum und als Höhepunkt einer jährlichen Preisverleihung. Dieses Jahr wurde der CBC vom 17. bis 19. November in der Vereinigung der Dänischen Industrie in Kopenhagen unter dem Motto „Teilhaben und Lernen" ausgerichtet.

Prominente Redner waren unter anderem Håkan Nordkvist, Leiter Nachhaltigkeit und Innovation, IKEA, Schweden, der die Innovationsstrategien von IKEA vorstellte, sowie Vertreter von Lego, Google und Deloitte. Der CBC ist einerseits wie eine traditionelle Konferenz konzipiert, andererseits ist der Investoren-Tag nach dem internationalen Standard der digitalen Welt aufgebaut: Hier treffen die zum CBC eingeladenen Firmen und Firmengründer auf konkrete Investoren und substantielles Kapital wie z.B. Truls Berg, Digital Insight AS; Alan Dufosse, Pernod Ricard; Liz Wald, Indiegogo; Uli Fricke, Triangle Venture Capital Group Management GmbH. Zum vollständigen Programm.

Highlight und Abschluss des CBC ist die Verleihung des Preises für den „weltbesten kreativen Unternehmer des Jahrs 2014“, der von Seiner Königlichen Hoheit Kronprinz Frederik von Dänemark überreicht wird. Der CBC fokussiert von der Wirtschaft finanzierte Innovationen und Kreativität in allen Sektoren der Wirtschaft, nicht nur in der Kreativwirtschaft. Allerdings ist der CBC selbst eine Non-Profit-Organisation, die vom Dänischen Ministerium für Wirtschaft und Wachstum ebenso unterstützt wird wie von der amerikanischen Kauffman Foundation. Auch wenn Wettbewerbe und Vorausscheidungen keine neuen Veranstaltungen oder sonderlich innovativen Formate im TED-Stile sind, so ist der CBC dennoch ein globaler Treffpunkt für innovative Firmen, der – wie das TechCamp München – auch B2B-Dienstleistungen und Mehrwerte bietet, doch vor allem auch darüber hinaus in die Gesellschaft und Wirtschaft wirkt. Warum kann dies gelingen? Was macht eine Spezial-Veranstaltungen über Wirtschaftsinnovationen zu einem viel beachteten Impuls für die gesamte Gesellschaft?

Dieser Frage könnte man ein ganzes Forschungsvorhaben widmen, doch zwei Elemente der Veranstaltung könnten Anhaltspunkte für die Antwort sein: Zum einen die Glaubwürdigkeit einer unabhängigen und hochkarätigen Jury, zum anderen die Prominenz des Verleihers, namentlich des Kronprinzen von Dänemark. Verbinden sich hier Glaubwürdigkeit und Prominenz zu Gunsten der unternehmerischen Sache kongenial – warum gelingt hier, was sonst eher selten möglich ist? So gesehen, ist der CBC möglicherweise ein radikalerer Treiber für Kreativität, Wirtschaft und Gesellschaft als man dies auf den ersten Blick vermutet.

The Creative Shift Forum - Wirtschaft trifft Politik

Der 2013 ausgelobte Europäische Ideen-Wettbewerb @diversity präsentierte im September 2014 zwölf Gewinner-Projekte aus 700 Bewerbern auf dem Creative Shift Forum in Brüssel - das Ziel: frische und innovative Ideen zu finden, „die - auf IT Anwendungen beruhend - kulturelle Produkte und Services produzieren, zugänglich machen, vertreiben und finanzieren." Projekte wie „SmartArt", „Deaf Magazine", „Poetry Cloud" oder „Yugo" haben den Preis erhalten, der vor allem in Beratung und Investorenkontakten besteht.

Das TechCamp und der CBC haben ihre Dienstleistungen für Innovationen auf eine Veranstaltung, auf einen Höhepunkt verdichtet, doch @diversity verfolgt einen anderen Weg: Der Preis ist hier Kick-Off und Start einer 18-monatigen Unterstützung von Innovationen – nach der Preiszeremonie. Das Creative Shift Forum wiederum bildet den Abschluss dieser Beratungs- und Dienstleistungsphase für die beteiligten Firmen. Doch zugleich eröffnet es einen Dialog mit der Politik und stellt den üblichen – siehe auch das TechCamp München – Knowhow-Transfer von öffentlichen Förderprogrammen zur Wirtschaft auf den Kopf. Nun sind es die Unternehmer, die Politiker informieren - nachdem sie zuvor ein Innovationsprogramm absolviert haben: Der Kreis aus Knowhow-Austausch, Praxis und Politik schließt sich – @diversity bietet einen holistischen Ansatz der Innovationsförderung.

Das Creative Shift Forum führt Empfehlungen über Innovationsprozesse an den Schnittstellen von Kreativwirtschaft und digitaler Wirtschaft zusammen. Angesichts der Bedeutung von Innovationen für das Gelingen des Klimawandels, den Abbau von Arbeitslosigkeit sowie für Wachstum und Bildung, ist es eine Überraschung, dass das Creative Shift Forum nicht auch die breitere Öffentlichkeit adressierte – wie z.B. der Creative Buisness Cup. Fehlte womöglich der Prominenten-Faktor?

Nichts desto trotz können die Empfehlungen des Creative Shift Forums von grundlegender Bedeutung sein für die Agenda Europa 2020 und die Formulierung künftiger Politikansätze der EU-Kommission für die Kreativwirtschaft. @diversity hat sich genau das zum Ziel gesetzt – eine bottom-up getragene, strukturelle Wirkung auf Rahmenbedingungen für Innovationspolitik und Innovationen, um neue Firmengründungen zu erleichtern, die Nutzung digitaler Technologien und Kommunikationsmedien zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der Kultur- und Kreativwirtschaft in Europa zu verbessern. Zum vollständigen Bericht.

Und was ist die nächste Innovation – in der Innovationsförderung?

Die Veranstaltungen und Initiativen in München, Brüssel und Kopenhagen im Herbst 2014 haben die Vielfalt und Möglichkeiten der Kreativwirtschaft in Europa aufgezeigt. Doch ob diese Innovations-Dienstleistungen für Kreativwirtschaft zu mehr Innovationen im Markt führen, bleibt abzuwarten – unser Tipp: Ein Blick in das Innovation Score Board der Europäischen Union.

Doch wer Effektivität und Ergebnisse von Innovationsförderung hinterfragt, darf eins nicht vergessen: Innovation dreht sich um das unvorhergesehene Neue, doch Service fokussiert das planbare Bekannte. Sollten wir also in der Zukunft eher nach Rahmenbedingungen außerhalb von Förderungen und Dienstleistungsangeboten für Innovation aus Schau halten – so wie es längst die „Nicht-Konferenzen" (unconferences) gibt, um neue Formen des Knowhow-Transfers zu erfinden, die in der digitalen Welt zeitgemäß sind? Ist Dienstleistung möglicherweise das paradoxe Gegenstück zu Innovation? Sind Beratungs- und Investmentservice für Innovatoren die beste Förderung von Innovationen? Sind Milieu- oder Clusterförderungen, die Freiräume für Innovationen schaffen und Experimente erleichtern, eine Alternative zum Dienstleistungsansatz? Die – öffentlich kaum gestellte – Frage steht im Raum: Wer Innovationen auf innovative, ja auf zukunftsfähige Weise fördern will, muss darüber nachdenken, wie Innovationen jenseits der bekannten Dienstleistungsangebote unterstützt werden können.


Foto © Esther Simpson creative commons

Innovationspotenziale der Kreativwirtschaft

Am 26. November luden die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr und ecce zu „Auftakt – Kreativwirtschaft Ruhr“ ins Tectrum nach Duisburg ein. Die Relevanz der Branche für den Standort Nordrhein-Westfalen wurde hierbei ebenso diskutiert wie die Potenzialanalyse für die Kreativwirtschaft Ruhr durch die Prognos AG vorgestellt. „Kreative haben einen avantgardistischen Spürsinn für Relevanzen“, so wird Jürgen Habermas in der Willkommensrede des Ministers für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, Garrelt Duin, zitiert.

Untermauert wird diese These wenig später durch klare Zahlen seitens der Prognos AG: Von 2009 bis 2012 verzeichnet die Sparte Architektur im Ruhrgebiet einen Anstieg der Erwerbstätigen um 10,6% – gegenüber 7,6% im Bund. Im Buchmarkt ist die Diskrepanz noch deutlicher: Die Ruhr-Region trotz gar dem Bundestrend mit einer Steigerung der Erwerbstätigen um 8,2%, während die Branche bundesweit einen leichten Rückgang hinnehmen muss. Die Sparte Design entwickelt sich im Ruhrgebiet auf Augenhöhe mit dem bundesweiten Aufwärtstrend und wächst um 4,1% (4,2% im Bund).

Die stärksten Umsatzzuwächse von 2009 bis 2012 verzeichnen die Software/Games (2,6%), darstellenden Künste (3,4%) und Architektur (11,9%). Letztere Sparte liegt damit sogar über dem Bundestrend, auch ein Indiz für die Relevanz des Kreativwirtschaft-Standortes Ruhr. Die negative Umsatzentwicklung der Gesamtkreativwirtschaft im Ruhrgebiet in Höhe von -6,1% geht wesentlich auf die Schrumpfung des Werbe- und Pressemarktes zurück. 

Prof. Dieter Gorny betonte in der Abschlussdiskussion aber auch die Wichtigkeit einer Mischung von sozialen und ökonomischen Aspekten. Eine Konzentration auf Leitmärkte macht Sinn, aber erst die geballte Vielfalt an Ressourcen der Metropole Ruhr macht die Stärke dieser Region aus.

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Das TILLT-Prinzip der Künstlerischen Innovation

Stellen Sie sich vor, Sie sind als ManagerIn verantwortlich für ein Projekt, bei dem KünstlerInnen für mehrere Monate in Ihrer Organisation oder Ihrem Unternehmen arbeiten. Oder stellen Sie sich vor, Sie sind diese KünstlerIn, die in fremde Umgebung, in einen Industriekonzern oder eine Fabrik eintauchen soll, um die Abläufe und Arbeitsprozesse dort zu optimieren. Oder überlegen Sie, wie es wäre, wenn Sie als Angestellte in einem solchen Unternehmen, als StahlarbeiterIn in einem Werk, als EDV SpezialistIn oder IngenieurIn erfahren, dass nun für ein Jahr eine KünstlerIn in Ihre Abteilung kommt, um Ihnen ein paar Dinge beizubringen.

Viele KünstlerInnen leben fortwährend in einem Zustand von Ungewissheit, wirtschaftlich (werde ich dafür mal Geld bekommen) wie kreativ (ist das eine gute Idee?), während Organisationen und Unternehmen sich sehr bemühen ein Gefühl von Klarheit und Berechenbarkeit zu kommunizieren, was sich in festen Formaten und Prozessen und Hierarchien ausdrückt. Warum sollten sich also KünstlerInnen und ManagerInnen oder MitarbeiterInnen wohl fühlen mit einer solchen Reise in unbekanntes Territorium? Aber warum treten sie diese Reise dennoch an?


Grenzen erkunden und verschieben
ist Inbegriff künstlerischen Arbeitens, aber normalerweise nicht innerhalb von Organisationen und mit Angestellten. Der Prozess, also die Reise verläuft daher für alle TeilnehmerInnen von Unternehmensführung über MitarbeiterInnen bis zu den KünstlerInnen mehr oder minder planbar, auf jeden Fall jedes Mal anders. Und genau das bietet die Möglichkeit Neues zu entdecken. Alle bewegen sich in Kontexten, die weder genau definiert noch vorhergesagt werden können. Wertvolle Erkenntnisse, Reflexionen, erhöhte Kompetenzen z.B. bei der interkulturellen Perspektive oder bei Arbeitsabläufen sind die Folge. Nachher ist klar: Künstlerische Kompetenzen können das Arbeitsleben in Unternehmen positiv verändern und Potenziale wecken. Vorher regiert erstmal Unsicherheit.

Das Ziel von TILLT ist seit über zehn Jahren, Methoden zu entwickeln, wie Kunst und Kultur Konzerne und Unternehmen weiterentwickeln kann – und umgekehrt, was Kunst und Kultur von der Wirtschaft lernen können. Die schwedische Agentur TILLT organisiert und begleitet dabei die Zusammenarbeit von Unternehmen und BeraterInnen aus der Kulturwelt – zu beiderseitigem Vorteil. 
Durch die Arbeit von TILLT wurde das Interesse an künstlerischer Arbeit als Impulsgeber für Veränderungen in der Arbeitswelt der Zukunft geweckt, sowohl auf regionalem, wie nationalen und europäischen Level. Die Agentur entwickelte dazu Methoden, wie Kultur als gewinnbringendes Werkzeug dienen kann, um die Arbeitsumgebung in einer Firma zu verbessern und MitarbeiterInnen wie Unternehmensführung zu innovativem, kreativen Denken zu ermutigen.

Effekte künstlerischer Interventionen in Organisationen

Ein positiveres Bild in der Öffentlichkeit sowie erhöhte Produktivität waren häufig die Folge einer solchen künstlerischen Zusammenarbeit. Neben dieser besonderen Form der Unternehmensberatung geht es TILLT aber auch darum, KünstlerInnen in der freien Wirtschaft Kompetenzen und Sichtbarkeit zu verschaffen. Beide Seiten, Wirtschaft wie Kreative, sollen von der Zusammenarbeit profitieren.

Die Arbeit von TILLT hat mehrere Komponenten: Eine ist, Unternehmen einen unkomplizierten und günstigen Zugang zu einer ganzen Palette kultureller Aktivitäten und Events zu verschaffen, indem einzelne MitarbeiterInnen aus allen Arbeitsbereichen des Unternehmens als „KulturbotschafterInnen“ fungieren. TILLT bietet auf das Unternehmen zugeschnittene kulturelle Programme in Themen wie Integration, gleiche Arbeitsbedingungen für Männer und Frauen, kreativen Input, Inspiration und kreatives Denken. Ein Großteil der Arbeit von TILLT besteht aber in die Entwicklung einjähriger Residenzen von KünstlerInnen in Unternehmen. Dieses innovative Konzept wird derzeit auch von ecce unter dem Projektnamen „Kunst in die Wirtschaft“ für das Ruhrgebiet diskutiert.


Einige Zahlen zu TILLT

- Über 150 Firmen haben allein in Schweden 1000 KulturbotschafterInnen ernannt, die über 50.000 KollegInnen in ihrer Kreativität in der Arbeitswelt stärken. 
- Über 100 kulturelle Interventionen in Unternehmen wurden abgeschlossen. 
- Über 70 Ein-Jahres-Projekte wurden realisiert, in denen KünstlerInnen in einer Firma einen Tag pro Woche arbeiteten, um einen kreativen und ergebnisoffenen Prozess anzustoßen.
- Auf fast 60 Konferenz und Wirtschaftsforen weltweit wurde das TILLT-Prinzip präsentiert.


Foto 
© Bruno Martinier/PhilipsAutor Elsa Burzynski, Thanks to www.ThisBigCity.net 

Neue BroschürE: URBANER WANDEL – KULTURELLE MACHERINNEN UND ORTE IM RUHRGEBIET

Kultur- und Kreativwirtschaft ist Treiber für urbanen, kulturellen und wirtschaftlichen Wandel – im Ruhrgebiet und in Europa. Die Broschüre „Urbaner Wandel – Kulturelle MacherInnen und Orte im Ruhrgebiet“ ist zugleich Dokumentation wie regionales – in Europa einzigartiges – Praxis- und Politik-Handbuch, das Geschichten des Gelingens aus dem Ruhrgebiet erzählt – und das inmitten der aktuellen Herausforderungen Europas in der Kultur-, Wirtschafts- und Innovationspolitik.

Die Broschüre dokumentiert zum einen zehn Quartiere des Wandels, die 2013 durch das Landesprogramm Kreativ.Quartiere Ruhr gefördert wurden, und stellt zum anderen sieben MacherInnen eben dieses Wandels, ihre Geschichten, Projekte und Denkansätze vor.
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Foto © Birgit Heyne

Neue Broschüre: KUNST IN DIE WIRTSCHAFT! – KÜNSTLERISCHE INTERVENTIONEN IN ORGANISATIONEN

Wir sind überzeugt, dass Innovation vor allem an Schnittstellen entsteht: durch Verknüpfungen, Vernetzungen und Verschmelzungen, die unerwartete Perspektiven öffnen und echte, neue Ideen erschaffen. Das Projekt „Kunst in die Wirtschaft!“ ist genau aus diesem Gedanken heraus entstanden: Künstlerische Interventionen in Organisationen als Impulsgeber für die Wirtschaft, als eine Art innovative Unternehmensberatung. So entstehen aber auch neue Möglichkeiten für KünstlerInnen ohne dabei ihre Autonomie in Frage zu stellen. Im Gegenteil, sie ist Voraussetzung für gelingende Prozesse im Rahmen des Projekts. Die Broschüre ist entstanden aus zwei Veranstaltungen im Jahr 2014, die das Konzept "Kunst in die Wirtschaft!" im Ruhrgebiet vorstellten.
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Foto © TILLT

Netzwerk für Innovationen in EuropA geht Online

Das Network for Innovations in Culture and Creativity in Europe (N.I.C.E.) lädt interessierte Akteure aus ganz Europa dazu ein, ihre Kräfte zu bündeln und Kultur und Kreativität als Innovationsmotor systematisch zu fördern, wie in der EU Agenda 2014-2020 ausgewiesen. Das Netzwerk wurde während des Forum d’Avignon Ruhr 2013 initiiert und zählt heute 20 Mitglieder aus 10 Staaten. Es startete mit dem N.I.C.E. Award 2014. Alle Nominierten und PreisträgerInnen des Jahres 2014 finden Sie jetzt auf www.nice-europe.eu - und einen Feed mit aktuellen Nachrichten rund um Innovation und Kreativwirtschaft. 

Redaktion: Bernd Fesel, Christian Caravante

Der Newsletter des european centre for creative economy (ecce) in Dortmund informiert über Debatten und Standpunkte in der Kultur und in der Kreativwirtschaft in Deutschland und Europa.   
Wir greifen dabei die aktuellen Themen an den Schnittstellen von Kultur-, Wirtschafts- und Stadtpolitik auf, die gesellschaftliche Veränderungen anstoßen – oder auf diese reagieren – und neue Zukunftsperspektiven aufzeigen: Kultur wie Kreativwirtschaft sind Motoren für den Wandel der Gesellschaft. Sie müssen politisch begleitet und gestaltet werden wie auch vor Ort konkret erlebbar sein. Ausgangspunkt für ecce ist dabei das Ruhrgebiet in der Tradition der Kulturhauptstadt RUHR.2010, verstanden als ein Freiraum nach dem Motto von Karl Ernst Osthaus „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“.    

Cover Foto © Hans-Jürgen Landes