ecce - european centre for creative economy
  • Newsletter ecce - 2014 #1

Sehr geehrte Damen und Herren,

das erste Drittel 2014 ist schon verstrichen, aber das Jahr verspricht noch einige bedeutende und nicht weniger spannende Entwicklungen. Die EU hat den Finanzrahmen (MFR) bis zum Jahre 2020 beschlossen und die ersten Ausschreibungen bereits veröffentlicht. Die Schwerpunkte haben sich in vielerlei Hinsicht verschoben und es fragt sich, was dies für die Praxis der Kultur- und Kreativwirtschaft bedeutet. Diese könnte auch durch die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen (TTIP) beeinflusst werden: Fluch oder Segen? Im Februar stellte die Bundesregierung einen Monitoringbericht zur Kultur- und Kreativwirtschaft vor, der klare Signale in Bezug auf Bedeutung und Potenzial der Branche aussendet. Letzten Monat kamen der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, und die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin zusammen und betonten die Bedeutung der Kultur als Motor für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse – alles gute Gründe, um im ersten Newsletter des Jahres diese Themen aufzugreifen und Fragen aufzuwerfen.

Die EU-Kommission bei der Arbeit 2014: Praxistest Kultur

Am 22. Oktober 2013 wurde das Arbeitsprogramm der EU-Kommission dem Europäischen Parlament für das Jahr 2014 vorgelegt. Kultur- und Kreativwirtschaft kommen darin nicht vor. Anfang März 2014 hatte EU Kommissions-Präsident Barroso mit Bundeskanzlerin Merkel die Rolle der Kultur für die Zukunft Europas in Berlin für unverzichtbar erklärt. Im Arbeitsprogramm geht es jedoch „nur“ um Umsätze und Arbeitsplätze – gerade weil die EU sich durchaus selbstkritisch ins Stammbuch schreibt, ihre Wirtschaftsziele im Binnenmarkt verfehlt zu haben. Stimmt! So bedeutend der Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit ist, so erstaunt es doch, dass nach fünf Jahren wirtschaftlicher Krisen die EU die konkrete Arbeit an der Zukunft so auf das Wirtschaftliche einengt – zumindest im 1. Quartal 2014. Immerhin spricht man jetzt von „grüner Wirtschaft“ und Innovationen, die nicht nur technisch sind, sondern auch „sozial“. Soziale Innovation als neue Rolle der Kultur – reicht das? Für den Rest des Jahres stehen u.a. eine Initiative zur Digitalisierung des Kinos, eine stärkere Kulturkooperation mit Peru und Kolumbien sowie ein neuer ganzheitlicher Politikansatz zum Kulturellen Erbe Europas, das mehr zu  „smart and inclusive growth“ beitragen soll, auf dem Programm. Wir sind gespannt auf diesen Diskurs.
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Monitor Kreativwirtschaft Deutschland

Im Februar 2014 stellte die Bundesregierung die aktuellen Wirtschaftsfakten für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland vor - kurz gesagt: Alles auf gutem Kurs. Und das ist angesichts der vielen Branchen betreffenden digitalen Transformationsprozesse eine mehr als nur gute Nachricht. Die Kennzahlen auf einen Blick: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse +4,37 Prozent, Umsatz aller Branchen +2,1 Prozent; Gründungen +6,1 Prozent. Die Kultur- und Kreativwirtschaft 2012 erzielte einen Umsatz von 143 Milliarden Euro und zählte 1,02 Millionen Erwerbstätige.
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, hob die „starke volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche“ hervor und betonte, dass sie mit „ihrem hohen Innovationspotenzial [...] auch ein wichtiger Impulsgeber für andere Wirtschaftszweige“ sei. Die Bundesregierung hat erkannt, dass man sich auf diesen Erfolgen nicht ausruhen kann und will zudem neue Initiativen mit Blick auf den digitalen Wandel starten. Dabei geht es nicht nur um Branchenpolitik, sondern vor allem um das Urheberrecht: die Industriepolitik der Wissensökonomie. Die Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters machte deutlich, dass ihr die weitere Anpassung des Urheberrechts an das digitale Umfeld besonders wichtig ist. Das kann eigentlich nur Zustimmung auf allen Seiten finden – die deutsche Regierung kann hier aber alleine nur wenig gestalten. Die neue, ab Herbst 2014 amtierende Europäische Kommission ist gefragt – und der Einfluss deutscher Kulturpolitik in Europa. Wird dieser stark genug sein?
Weiterführender Link: Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012
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Die längst überfällige Debatte um Kreativwirtschaft, Urheberrecht und Digitalisierung darf nicht mehr einseitig geführt werden.

Beitrag von Prof. Dieter Gorny

Die Themen der digitalen Agenda, die in der Vergangenheit oft losgelöst voneinander betrachtet wurden, müssen im Sinne einer nachhaltigen Digitalen Ökonomie ganzheitlich diskutiert werden: als eine Digitale Ökonomie, die Inhalte und Technologie als zwei sich gegenseitig befruchtende Seiten einer Medaille begreift.
Die Bedeutung dieser Digitalen Ökonomie für Europa hat die EU-Kommissarin für Digitale Agenda Neelie Kroes im März in einem Beitrag für die FAZ betont, in dem sie treffenderweise herausstellt, dass Europa „weder über eine Wirtschaft mit niedrigen Kosten noch eine Kultur mit hoher Risikobereitschaft verfügt“. So sei man dann „ängstlich und verwundbar angesichts gigantischer amerikanischer Innovatoren und unermüdlicher asiatischer Fabriken.“ In ihrer weiteren Betrachtung legt Kroes den Fokus jedoch allein auf die technologische Seite, wenn es darum geht, einen „offenen, vernetzten Kontinent“ zu schaffen. Gerade die neuen Streaming-Dienste zeigen jedoch, wie der kooperative Modus von IT und Inhalt bereits heute tagtäglich gelebt wird. Die Chancen des digitalen Wandels müssen über eine einseitig technologische Industriepolitik hinaus in den Blick genommen werden. Dazu gehört es, den digitalen Raum aktiv zu gestalten und mit klaren Spielregeln auszustatten – eine Gesellschaft, in der das Sammeln und Speichern von Daten alltäglich geworden ist, muss aktiv einen Umgang mit diesem Faktum finden.
Der digitale Wandel hat nicht nur die Vertriebswege, sondern vor allem auch Inhalte der Kreativwirtschaft verändert und zur Reichhaltigkeit des Angebots beigetragen: Die aktuelle Vielfalt beim Repertoire oder im Vertrieb sind das Ergebnis tiefgreifender Transformations­prozesse, die ihre Spuren hinterlassen und nicht zuletzt die Flexibilität von Musikfirmen und Künstlern gefordert haben.
Obwohl 2013 nach 15 verlustreichen Jahren ein vergleichsweise gutes Jahr für die Musikindustrie war, gibt der Blick auf globale Märkte Anlass zur Sorge, dass in Deutschland die großen Herausforderungen des digitalen Wandels erst bevorstehen – vor allem sind es aber die illegalen Angebote, denen die legalen Anbieter trotzen müssen und dabei wirtschaftlich das Nachsehen haben – ein Umstand, der in anderen Wirtschaftszweigen schwer vorstellbar wäre.
Die Frage ist, wie man den digitalen Raum also rechtlich so gestalten kann, dass eine faire und funktionierende digitale Ökonomie entstehen kann. Für alle Beteiligten: die Rechteinhaber, die Verbraucher und die Kreativen?
Die in diesem Zusammenhang relevanten Problemfelder sind von der neuen Bundesregierung mit Blick auf die gesamte Kultur- und Kreativwirtschaft bereits identifiziert worden und müssen nun mit Priorität behandelt werden. Viele Nutzer sind indes weiterhin verunsichert, was die Frage der legalen und illegalen Nutzung von Medieninhalten betrifft. Nachdem in den vergangenen Jahren viel über Medienkompetenz debattiert wurde, ist es an der Zeit, den Verbrauchern die nötige Orientierungshilfe an die Hand zu geben und dem legalen Markt den Rücken zu stärken.
Auf politischer Ebene ist es von zentraler Bedeutung, die Kultur- und Kreativwirtschaft im Verbund mit anderen Branchen zu betrachten: Wenn industrielle Transformationsprozesse wie zum Beispiel in der Automobilindustrie, politisch gefördert und begleitet werden, sollten diese Prozesse in der Kultur- und Kreativwirtschaft, die mit ihrem Umsatzvolumen von 150 Milliarden Euro pro Jahr im Koalitionsvertrag zu den sieben Leitmärkten in Deutschland gezählt wird, wirtschaftspolitisch nicht dem Zufall überlassen werden.
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Eine neue Renaissance oder der Zement, der Europa zusammenhält

Nationalismus und Populismus, von der Wirtschaftskrise befeuert, haben zu einer neuen Welle europakritischer Tendenzen geführt; Abhilfe soll da nun die Kultur schaffen. Zu diesem Zweck hat José Manuel Barroso ein Leitmotiv ins Leben gerufen, das den Europäischen Gedanken mit neuen, identitätsstiftenden Inhalten aufladen und das Verhältnis der jungen Generationen zu den drei Säulen Friede, Freiheit und Wohlstand, auf denen der europäische Gedanke fußt, revitalisieren soll. Während der Friede innerhalb der europäischen Grenzen sowie die Freiheit, auch im Sinne von Reisefreiheit im Schengen-Raum, Erasmus-Studienaustauschen und dergleichen, als Selbstverständlichkeit angesehen werden, ruft vor allem ein zunehmendes Wirtschaftsgefälle Kritik hervor. Barroso und Angela Merkel trafen sich nun am 1. März in der Akademie der Künste Berlin, um feierlich den Abschluss der ersten Phase des neuen Leitmotivs für Europa zu verkünden. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung der Erklärung des eigens eingerichteten Kulturkomitees, in dem nicht weniger als „eine Art neue Renaissance von der Dimension des geistigen Erwachens im 15. und 16. Jahrhundert“ gefordert wird. Die Erkenntnis, dass Kultur der Schlüssel für gesellschaftliche Transformationsprozesse ist und als Brücke in verschiedene gesellschaftliche Bereiche dienen kann, wird also auf den höchsten politischen Ebenen diskutiert. Eine Entwicklung, die sicherlich begrüßenswert ist; fraglich bleibt indes, ob, und vor allen Dingen wie, Kultur, Kreativität und die antizipierten Spillover-Effekte effektiv genutzt werden können.
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Kultur macht Politik

Der französische Street Art-Künstler JR hat sich einen Ruf durch das Plakatieren von großformatigen Porträts gemacht. So macht er beispielsweise auf die sozialen Schwierigkeiten von Jugendlichen in Pariser Banlieues aufmerksam, indem er Bilder einiger ihrer Anwohner in gut situierten Pariser Vororten an Häuserwänden aufhängt. Im spanischen Cartagena wiederum lud er die Diskussion um die Gentrifizierung emotional auf, indem er Bilder plakatierte, die ältere Menschen zeigen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, um Platz für Großprojekte zu machen. Der Musiker Davide Martello seinerseits erlangte 2013 Bekanntheit durch die virale Verbreitung seiner Performance am Taksim Platz während der Proteste in der Türkei. Der Musiker, der mit seinem Flügel jede Hauptstadt der Welt bereisen und bespielen möchte, entschied sich im Zuge einer Konzertreise spontan in Istanbul während der Proteste aufzutreten. Während der Performance, die abends begann und sich bis tief in die Nacht fortsetzte, stoppten die Ausschreitungen und Hunderte Demonstranten und Polizisten versammelten sich, um für einige Stunden friedlich miteinander dem Musiker zuzuhören. Die Bedeutung der Auswirkungen kultureller Aktivitäten auf öffentliche Meinung und politische Felder, wie in diesen Beispielen illustriert, hat die EU erfasst und auch dafür den Begriff Spillover geprägt. Es bedarf keiner langen Recherche, um Beispiele zu finden, wie kulturelle und kreativwirtschaftliche Unternehmen, Initiativen, Projekte oder Ideen sich auf unterschiedlichste Bereiche auswirken; die Übertragungseffekte, die dabei entstehen, beziehen sich auf Milieubildung und soziale Netzwerke, wirtschaftliche oder soziale Bereiche aber auch beispielsweise auf Energie- und Klimaprojekte und noch etliches mehr. Ein gezielter Spillover-Effekt kultureller Initiativen in politische Bereiche, beispielsweise als identitätsstiftendes Medium, wie bei dem neuen Leitmotiv angeregt, ist jedoch schwerer fassbar. Die Wechselwirkung von Kultur und Politik, der Dynamik und die Frage, ob und wie diese gesteuert werden kann, muss noch näher erforscht und erörtert werden. Unter dem Motto  „Innovation ist Leidenschaft“ behandelt ecce diese Themen auch auf dem kommenden Forum d'Avignon Ruhr im Juni in Essen.
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The public is me! Forderungen zur kreativen Stadtentwicklung

„Cultural action must remain in contact with the craft of citizens and their life rhythms - and not the administrations' ones“ – so eine der Forderungen des CATALYSE Manifestos, das Anfang März auf dem Forum d'Avignon Bilbao verkündet wurde. Das EU-geförderte Gemeinschaftsprojekt CATALYSE von ecce, dem Forum d'Avignon und Bilbao Metropoli-30 hat die Wirkung von Kultur und Kreativwirtschaft auf die Lebensqualität in den Städten Europas untersucht. >>WEITERLESEN
Foto: Forum d'Avignon Bilbao

Europa 2020: Kultur und mehr

Europa 2020: Das ist das Politikprogramm der Europäischen Union von 2014 bis 2020, das das Lissabon Programm für Wachstum und Beschäftigung ablöst. Neu ist der Fokus auf „smart growth and smart strategies“ – dies meint Politikansätze, die sektorübergreifend und integrativ wirken, die möglichst viele Fachbereiche und Kompetenzen einbeziehen zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, die die EU in den Bereichen Klima, Migration, Gesundheit sowie der 4. Industriellen Revolution und Innovation sieht. Dabei gelten Kultur und Kreativwirtschaft der EU neuerdings in vielen Bereichen als Innovationsmotor und werden zur Querschnittsaufgabe. So ist Kultur präsenter, tritt aber auch in einen neuartigen Wettbewerb um Fördergelder mit anderen Branchen. Unter dem Stichwort „Soziale Innovationen“ sind nun auch zum Beispiel Förderungen für Theaterprojekte mit Migranten enthalten. Es fragt sich, ob dies mehr ist als ein Sprach- und Labelwechsel und welche Folgen dies für den Kultursektor haben wird.
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Die möglichen Szenarien des TTIP

Die Buchpreisbindung, öffentliche Fördermittel für Kultur, das Urheberrecht und die reduzierte Mehrwertsteuer sind nur einige Errungenschaften unserer Gesellschaft zum Schutz und zur Erhaltung des kulturellen Lebens. Nun müssen diese und viele weitere Felder jedoch negative Konsequenzen fürchten, wenn Kultur ausschließlich als Ware, wie jede andere, nach der Ratifizierung des Transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP), gehandelt wird. In einem Beitrag für das Magazin Scala des WDR5 hat der kulturpolitische Reporter, Peter Grabowski, nun die Gefahren für den Europäischen Kultursektor, die aus dem Abkommen resultieren könnten, genauer recherchiert. Die Verhandlungen über TTIP führt die EU mit den USA seit Mitte 2013 und gerät dabei auch in anderen Bereichen in die öffentliche Kritik. Insbesondere Online-Petitionen, die vor negativen Auswirkungen beispielsweise auf die Bereiche Gesundheit und Datenschutz, warnen, verbreiten sich über soziale Netzwerke viral. ecce unterstützt den Appell, den Kulturbereich aus den TTIP-Verhandlungen auszuklammern, der kürzlich auch von Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einer Rede anlässlich des Produzententages wiederholt wurde. Ferner ist es bedauerlich, dass zu den nicht-öffentlichen Verhandlungen keine Repräsentanten des Kultursektors hinzugezogen werden. Dabei gibt es auf EU-Ebene Organisationen, die aufgestellt sind, um genau diese Rolle zu übernehmen. Dazu Simone Dudt, Vizepräsidentin von Culture Action Europe: „Ich begrüße sehr, dass der Kultur- und Mediensektor aus dem Verhandlungsmandat über das Freihandelsabkommen ausgenommen wurde. Jetzt ist jedoch wichtig, dass diese Ausnahme auch in den konkreten Verhandlungen aufrecht erhalten wird und nicht am Ende über die Hintertür doch wieder als Verhandlungsmasse eingebracht wird. Aus diesem Grund und um zu gewährleisten, dass der Bezug zur UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt (2005) erhalten bleibt, sollte der Kultur- und Mediensektor in der Expertengruppe zum TTIP vertreten sein.“
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Britischer, kreativer Export, quo vadis? Ein Gastbeitrag von Callum Lee

Die wirtschaftliche Zukunft Großbritanniens liegt in wissensbasierten Zweigen wie der Kreativwirtschaft und die Märkte von morgen sind in China und den anderen BRICS-Staaten? Callum Lee, Deputy Director des ECBN, ist da anderer Meinung. In einem Gastbeitrag wirft er einen Blick auf die britischen Exportzahlen in den kreativen Branchen und kommt zu dem Schluss, dass Europa als Zielmarkt nicht vernachlässigt werden sollte... >> WEITERLESEN
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Bekommt Frankreich den Lead in Europas Kulturpolitik?

„Heute ist ein Wendepunkt für Europas Kulturpolitik“ – so Aurélie Filippetti, Frankreichs Ministerin für Kommunikation und Kultur zum Abschluss des Forum de Chaillot , das erstmalig am 4. und 5. April in Paris stattgefunden hat: 1.200 geladene Gäste von Martin Schulz, Vorsitzender des EU-Parlaments, bis ABBA-Sänger Björn Ulvaeus diskutierten die Zukunft von Kultur und Kulturpolitik: Nachdem Frankreich die „exception culturelle“ in und für Europa gerettet habe, müsse es jetzt darum gehen, die Kulturpolitik der nächsten EU-Kommission zu gestalten – in Fragen der Digitalisierung und des Urheberrechts, des Kulturellen Erbes und des stärkeren Einflusses von Kultur- und Kreativwirtschaft auf die Gesellschaft im allgemeinen (Spillover-Effekte). Dafür konnte Filippetti die Unterstützung von 20 Kulturministern gewinnen, die dazu persönlich anreisten. Ein öffentlicher Appell namhafter Künstler wie Volker Schlöndorff oder Jean-Michel Jarre fehlte auch nicht. Bleiben die Fragen vieler Teilnehmer, ob das Forum de Chaillot mehr als ein Moment im innerfranzösischen Europawahlkampf war, ob eine französische geprägte Strategie in der europäischen Kulturpolitik der richtige Ansatz in einem Europa der kulturellen Vielfalt sein kann oder sein muss – und ob die nächste EU-Kommission der Kulturpolitik überhaupt gesellschaftspolitische Priorität beimisst. Immerhin muss man Frankreich zugute halten: Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
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Redaktion: Bernd Fesel, Till Skoruppa

Der Newsletter des european centre for creative economy (ecce) in Dortmund informiert über Debatten und Standpunkte in der Kultur und in der Kreativwirtschaft in Deutschland und Europa.   
Wir greifen dabei die aktuellen Themen an den Schnittstellen von Kultur-, Wirtschafts- und Stadtpolitik auf, die gesellschaftliche Veränderungen anstoßen – oder auf diese reagieren – und neue Zukunftsperspektiven aufzeigen: Kultur wie Kreativwirtschaft sind Motoren für den Wandel der Gesellschaft. Sie müssen politisch begleitet und gestaltet werden wie auch vor Ort konkret erlebbar sein. Ausgangspunkt für ecce ist dabei das Ruhrgebiet in der Tradition der Kulturhauptstadt RUHR.2010, verstanden als ein Freiraum nach dem Motto von Karl Ernst Osthaus „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“.    

Cover photo © Hans-Jürgen Landes