| Statements, FER17

Karl-Uwe Bütof

Statement Karl-Uwe Bütof beim #FER17

© private

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ein langer und ereignisreicher Kongresstag geht zu Ende. Meine Aufgabe ist es nun, Ihre Aufmerksamkeit noch für einige Zeit zu fesseln. Die Veranstalter werden sich etwas dabei gedacht haben, einen Beitrag zu "Neue Ökonomien – Kreativwirtschaft" an das Ende eines Tages zu setzen, der sich mit "Kultur 360 Grad" beschäftigt. Die Kultur hat heute eine große Rolle gespielt, nun blicken wir gemeinsam darauf, welche Rolle kreatives Schaffen und Kreativwirtschaft für die Entwicklung der Wirtschaft spielen.

 

Ich freue mich, dass das european centre for creative economy, die ecce GmbH auch in diesem Jahr mit dem Forum Europe Ruhr den Brückenschlag zwischen Kultur und Ökonomie unternimmt. Die neue Landesregierung, die seit Juli im Amt ist, setzt explizit auf die Innovationskraft der Kreativwirtschaft. Gerne möchte ich Ihnen einen Ausblick geben, wie das konkret vor sich gehen soll.

 

Doch zunächst möchte ich das Feld beschreiben, in dem wir uns bewegen: Worüber sprechen wir, wenn wir über die Kreativwirtschaft sprechen? Und warum fällt einem die Branche nicht als Erstes ein, wenn von den Stärken des Wirtschaftsstandortes NRW die Rede ist, von Arbeitsplätzen und Umsatz?

 

Zunächst, so meine These, hat das etwas mit den Bildern zu tun, die die meisten von uns im Kopf haben. NRW ist und bleibt ein starkes Industrieland. Maschinenbau, Stahl, Chemie – diese Branchen prägen das Image unseres Landes. Das ist auch zutreffend und das soll so bleiben. Trotzdem sollten wir unseren Blick erweitern. Wir sind auch das Land, in dem wissensintensive und industrienahe Dienstleistungen eine immer wichtigere Rolle spielen. Logistik, Gesundheitswirtschaft, Informations- und Telekommunikationswirtschaft und andere Bereiche sorgen für Beschäftigungsmöglichkeiten und Wohlstand. Und wir sind auch ein wichtiges Ziel für Touristen aus dem In- und Ausland.

 

Meine Damen und Herren,

 

welche Rolle spielt nun die Kreativwirtschaft für Nordrhein- Westfalen? Und wer verbirgt sich überhaupt hinter diesem Begriff, der so viele Assoziationen weckt?

Wir haben uns in der Wirtschaftspolitik in Deutschland einvernehmlich auf eine Definition geeinigt, die elf Teilbranchen der Kreativwirtschaft umfasst: Architektur, Design, Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, den Markt für darstellende Künste, Pressemarkt, Werbemarkt und die Software- und Gamesindustrie. Damit ist auch ein gemeinsames Verständnis der statistischen Grundlagen und der Zählweise verbunden.

 

In der regelmäßigen Berichterstattung zur Kreativwirtschaft – die wohlgemerkt hier in Nordrhein-Westfalen ihren Ursprung hat – berichten wir über die Umsätze der Branche, über die Zahl der Arbeitsplätze und Unternehmen und über den erheblichen Beitrag der Kreativen zur Wertschöpfung im Lande. Dazu nur ein paar Eckdaten: Die Branche bietet in NRW fast 300.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Ihr Umsatz beträgt rund 36 Milliarden Euro pro Jahr und es gibt mehr als 50.000 Unternehmen der Kreativwirtschaft im Land. Die Kreativwirtschaft ist damit ein wichtiger Jobmotor in NRW. Wertschöpfung und Beschäftigtenzahlen wachsen seit Jahren kontinuierlich und sind ausgesprochen krisenfest. Design, Werbung, Presse und Buch sind dabei die umsatzstärksten Teilbranchen in NRW. Ein wichtiges Merkmal ist zudem, dass Klein- und Kleinstunternehmen die Branche prägen. Vor allem im Presse- und Werbemarkt gibt es natürlich auch die "Big Player". Ein großer Teil der Wertschöpfung wird aber von den kleinen, inhabergeführten Unternehmen erbracht. Ein erfolgreiches Industriedesign-Büro mit 20 Mitarbeitern ist dann schon ein "großes Schiff".

 

Meine Damen und Herren,

 

wenn ich auf die Kreativwirtschaft blicke, dann interessiert mich neben den eben zitierten Zahlen und den bezifferbaren Merkmalen aber auch der Einfluss, den sie auf andere Wirtschaftszweige hat. Für uns in NRW ist die Kreativwirtschaft eine Pionierbranche. Mit ihren Innovationen und vielfältigen Projekten sind die Kreativen in NRW wichtiger Partner unserer Industrie. Sie treiben zudem die Digitalisierung entscheidend voran. Wichtige Impulse kommen gerade aus der Gameswirtschaft, aus dem Musikbereich, der von der zunehmenden Digitalisierung aller Geschäftsmodelle schon sehr früh betroffen war, und aus dem Design.

 

Die Kreativwirtschaft hat enormes Potenzial. Um das zu verdeutlichen, stelle ich das allgemeine Begriffsverständnis von Kreativwirtschaft in einen erweiterten Kontext.

 

Mein erster Ansatzpunkt lautet: Betrachten wir Kreativwirtschaft nicht nur als Branche, sondern auch als Konzept! Wie eben erwähnt, haben sich Politik und Verwaltung und ein Großteil der Akteure auf eine Definition der Branche geeinigt.

 

In der Diskussion über die Bedeutung der Kreativwirtschaft möchte ich mit Ihnen gemeinsam über die Ränder dieser Definition hinausschauen. Kreativwirtschaft ist für uns in NRW eine Querschnittsbranche, die nicht nur unterschiedliche kreative Disziplinen vereinigt, sondern andere Betätigungsfelder und Wertschöpfungsketten durchsetzt – von der industriellen Produktion hin zur Unternehmensdienstleistung.

 

Wenn wir uns ausschließlich darauf konzentrieren, die Ränder und die Abgrenzungskriterien dieses Wirtschaftsbereiches klar abzuzirkeln, dann übersehen wir, dass auch in anderen Branchen der Anteil der Kreativität an der Wertschöpfung erheblich ist. Kein Informatiker, kein Gartenbauer, kein Elektrotechniker hat ohne Kreativität Erfolg.

 

Vielleicht müssen wir Kreativwirtschaft daher viel mehr als ein weiter gefasstes Konzept verstehen, das nach den Bedingungen von Innovation und materieller wie immaterieller Wertschöpfung fragt.

 

Meine Damen und Herren,

 

hier setzt die Strategie der Landesregierung an: Das Gründungsthema und die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung unseres Landes sind dem Wirtschaftsministerium besonders wichtig. Hier im Saal sitzen viele, die mit kreativer Arbeit als Selbständige ihr Geld verdienen. Auch Sie beschäftigen sich mit den Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln und mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Wir haben also gemeinsame Themen. Wir als Wirtschaftsministerium möchten daher auch in Zukunft mit Ihnen ins Gespräch darüber kommen, was wir gemeinsam tun können, um NRW nach vorne zu bringen. Sie als Kreative, als Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Kreativwirtschaft können wichtige Impulse liefern, um die Zukunft zu gestalten. Veranstaltungen wie das Forum Europe Ruhr sind so wichtig, weil sie Kreativität, Gründergeist und Kontakte zusammenbringen. So entstehen neue Werte.

 

Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist der NICE Award, der bereits gestern Abend verliehen wurde. Die eingereichten Projekte und die Preisträger zeigen auf exemplarische Weise, wie Kreativität Antworten auf dringende gesellschaftliche Fragen liefern kann. Und wie daraus Geschäftsmodelle entstehen können. Das Wirtschaftsministerium fördert den Preis auch aus diesem Grund bereits seit mehreren Jahren.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

die neue Landesregierung hat seit Juli bereits einige konkrete Maßnahmen in die Wege geleitet, um kreativen Unternehmerinnen und Unternehmern aller Branchen die Arbeit zu erleichtern. Minister Prof. Andreas Pinkwart hat die ersten Wochen seit seiner Ernennung dazu genutzt, sich einen Überblick zu verschaffen. Er hat die Orte besucht, an denen sich die kreativen Gründer treffen: Er war zum Beispiel beim Startplatz in Köln und in Düsseldorf, bei der garage33 in Paderborn und bei den DigitalHubs im ganzen Land, auch hier in Essen. Wir brauchen diese Orte, an denen Kreative und andere Unternehmer über den Tellerrand schauen, Ideen austauschen und disruptive Geschäftsmodelle entwickeln können. In einem solchen Klima können den Markt verändernde Innovationen entstehen. Wir brauchen auch Gelegenheiten, bei denen man sich treffen und gemeinsam Neues entwickeln kann. Und wir brauchen die Menschen, die diese Gelegenheiten und Orte schaffen. Mein Dank geht heute daher an das Team von ecce, dass es diese Gelegenheiten mit großem Engagement schafft. Das war gestern beim NICE Award so, das ist auch heute so. Das ist auch der Weg der Landesregierung. Erste Pflöcke sind eingeschlagen: Wir wollen angehende Unternehmer von unnötiger und komplizierter Bürokratie befreien. Dazu hat der neue Wirtschaftsminister schon zehn Tage nach Amtsantritt eine Online-Befragung gestartet. Gründungsinteressierte und junge Unternehmer können uns sagen, welche Vorschriften und Regelungen sie für verzichtbar halten und wie sie sich gründungsfreundliche Politik vorstellen. Wir wollen die Resultate in unsere Politik für eine neue Gründerzeit in NRW einfließen lassen. Sie sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Wir planen ein ganzes Bündel von Maßnahmen, um das Gründen leichter zu machen. Dazu gehört auch das "Gründer-Stipendium NRW", mit dem wir 1.000 Gründerinnen und Gründer mit 1.000 Euro im Monat unterstützen werden.

 

Für diejenigen, die bereits erfolgreich in den Markt gestartet sind, starten wir eine Modernisierungsoffensive „Neue Geschäftsmodelle“: Gesetze und Regeln werden daraufhin überprüft werden, ob sie Hindernisse für die Entstehung neuer digitaler Geschäftsmodelle enthalten. 8 Unser Ziel ist es, Hürden abzubauen und faire Wettbewerbsbedingungen für etablierte und neue Geschäftsmodelle zu schaffen.

 

Meine Damen und Herren,

 

die Landesregierung setzt gezielt auf die Kreativwirtschaft als Innovationsmotor. Kreative prägen den Standort Nordrhein-Westfalen und sollen die nötige Aufmerksamkeit für ihr Tun erhalten. Die Aufmerksamkeit ist auch der Schlüssel zum Startkapital für das eigene Unternehmen.

Wir haben in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Instrumenten entwickelt, um Kreativität mehr Raum zu geben. Unser Kompetenzzentrum für die Kreativwirtschaft CREATIVE.NRW hat ganz oben auf dem Aufgabenzettel die Vernetzung der Kreativwirtschaft mit anderen Branchen stehen. Kreative Arbeit im Industrieland NRW wird sichtbar gemacht.

Darüber hinaus fördern wir mit Landesmitteln eine Vielzahl von Initiativen, die die Kreativwirtschaft stärken und den kreativen Unternehmerinnen und Unternehmern – Designer, Games- Entwickler, Modeschöpfer, Komponisten – Zugänge zu Märkten im In- und Ausland verschaffen. Ich komme noch einmal darauf zurück: Die Digitalisierung ist die große Herausforderung, vor der unsere Gesellschaft steht.

 

NRW kann in der Digitalisierung eine Spitzenposition einnehmen, wenn es uns gelingt, unsere starke industrielle Basis mit den Ideen junger, kreativer Startups zusammen zu bringen. Damit wird eine ungeheure Innovationskraft in NRW entfaltet und wir können Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Ich verweise an dieser Stelle gerne darauf, dass wir zu diesem Zweck mit unseren Digital Hubs Orte geschaffen haben, an denen sich der kreative digitale Nachwuchs, Mittelstand und Konzerne treffen können. Mit 12,5 Millionen Euro fördern wir diese regionalen Knotenpunkte in Aachen, Bonn, Köln, Düsseldorf, Münster und dem Ruhrgebiet. Sehr geehrte Damen und Herren, ein ganz wichtiges Werkzeug, um Kreativität als Grundlage für die Wirtschaft zu fördern, sind unsere Leitmarktwettbewerbe. 40 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für die Regionale Entwicklung stehen alleine für den Wettbewerb CreateMedia.NRW bis 2020 zur Verfügung. In diesem Wettbewerb geht es um innovative Projekte aus der Medienund Kreativwirtschaft. Die Zwischenbilanz ist ausgesprochen positiv: Bisher wurden über 30 Vorhaben von einer unabhängigen Jury zur Förderung empfohlen. Und hier kann man deutlich sehen, wie Kreativität zur Ressource wird und wie dieser Rohstoff in die Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten einfließt. Die ausgewählten Projekte beschäftigen sich zum Beispiel mit so unterschiedlichen Themen wie der Entwicklung einer Games-basierten Anwendung, die in der Betreuung allein lebender Pflegebedürftiger genutzt werden sollen, mit der 3D-Bewegtbilddarstellung in Architekturmodellen oder auch mit der Frage, wie Datensicherheit für kleine und mittlere Unternehmen im E-Commerce sichergestellt werden kann. Unser Engagement für die Branche zeigt: Wir nehmen Kreativwirtschaft ernst. Als Querschnittsbranche mit hohem Innovationspotenzial, die sich in die bestehende Wirtschaftsordnung fügt, eng verflochten mit den anderen Branchen.

 

Meine Damen und Herren,

 

mein Fazit lautet: Wir haben tolle Unternehmen. Wir müssen sie nur viel bekannter machen. NRW muss in der ersten Liga spielen. Dazu werden wir unsere Stärken mehr als bisher betonen. Unser Land bietet mit seinem dichten Netz an Hochschul- und Forschungseinrichtungen und den vielen kreativen Köpfen einen guten Rahmen für innovative Unternehmen. Wir wollen NRW zum begehrten Standort für Gründer und Investoren machen.

 

Ich lade Sie ein, dieses Ziel mit uns gemeinsam zu verfolgen!