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OffeneNordstadtAteliers

Bereits zum fünften Mal präsentierten die OffenenNordstadtAteliers am 09. und 10. September nicht nur Kunst, sondern auch die Offenheit und Vielfalt der Dortmunder Nordstadt. In sieben Ateliers und an 17 Orten gewährten 69 KünstlerInnen in intimer Atmosphäre Einblick in ihre Arbeit und durch den diesjährigen Fokus auf Integration auch in ihre Kultur.

© Sebastian Becker/ecce

Am 09. und 10. September luden die Ateliers der Dortmunder Nordstadt bereits zum fünften Mal zum Hereinschneien ein. 69 KünstlerInnen gewährten in sieben Ateliers und 17 Orten Einblicke in ihre Arbeit. Doch die OffenenNordstadtAteliers sind für Besucher nicht nur eine Möglichkeit mit den Kreativen in Kontakt zu treten, sondern auch das Viertel besser kennenzulernen. Das ist auch für Didi Stahlschmidt  eine der Stärken der Veranstaltung. Für gewöhnlich ist er im Auftrag des Quartiersmanagement unterwegs, an diesem Wochenende genoss er aber mal den privaten Blick auf seinen Stadtteil. „Eine Stärke der OffenenNordstadtAteliers ist es, dass man gezwungen ist, die Wege zwischen den Veranstaltungen zu Fuß hinter sich zu bringen. So lernt man die Nordstadt oder auch seine eigene Nachbarschaft noch mal besser kennen“, berichtet er. Durch diesen Umstand kam es durchaus vor, dass Besucher überrascht der lauten Musik folgten und beispielsweise die Kunstdomäne ein paar Häuser neben der eigenen Wohnung entdeckt haben. Ein zweistöckiges Atelier in zweiter Reihe mit schönem Innenhof und einer traumhaften Atmosphäre.

So bunt wie die Nordstadt selbst

Was Didi ebenso gefreut hat, ist der Fokus in diesem Jahr deutlich auf der Integration lag. So ermöglichten einige Galerien Geflüchteten ihre Werke zu zeigen und dadurch auch Besuchern einen anderen Zugang zur Kultur zu gewinnen. Beispiele dafür war unter anderem die Kunstdomäne, aber auch der Standort 18, die Galerie 103 , in der Sultan Khairandish nicht nur seine Gemälde ausstellte, sondern auch vor den Interessierten kreierte. Live konnten Interessierte miterleben, wie seine Kunstwerke entstehen. Dazu spielte das Trio “ZADA JAM” im Rahmen des Projekts 103 / Nachbarschaft Borsig11 e.V. feinste Weltmusik für die Besucher.

 

„Menschen und Künstler zusammen bringen und auf die Vielfalt der Nordstadt hinweisen, ist das Ziel des Projekts OffeneNordstadtAteliers“, fasst Rita-Maria Schwalgin, eine der Organisatorinnen, die Idee zusammen und ebenso Didi Stahlschmidt sieht in der Offenheit des Konzepts eine Möglichkeit: „Bildende und darstellende Kunst bietet immer die Chance des kulturellen Austauschs.“

Eine andere Herangehensweise hatte die Nordstadt Galerie des Fachbereichs Design der FH Dortmund. Hier wurden die Ergebnisse der #meinrahmen-Aktion präsentiert, „bei der AnwohnerInnen und generell DortmunderInnen mittels eines Bilderrahmens Orte, Details und Typisches der Nordstadt festgehalten haben“, wie Alexander Weber, Kurator der Galerie, erzählt. Herausgekommen sind Postkartenmotive der etwas anderen Art – von Orten, die es sonst vermutlich nicht auf eine Postkarte schaffen würden. Auch sie dienen somit der Auseinandersetzung mit dem Viertel und dessen Bewohnern. Darüber hinaus haben zwei Künstler ihrer Werke ausgestellt: Maler Lucas Bölter zeigte seine Bilder und Objektdesigner Rene Schnüring selbstgebaute Möbel sowie eine große Uhr aus Fahrradteilen. Trotz des sehr regnerischen Wetters konnte sich Alexander Weber über viele Besucher freuen: „Unsererseits konnten wir uns auf einen guten Zulauf und viele Gespräche freuen sowie unsere ausstellenden Künstler über die Gelegenheit.“

Eine neue Perspektive

Viel Zulauf gab es laut Didi Stahlschmidt auch von Bewohnern außerhalb der Nordstadt. Zwar freue es ihn jedes Jahr auf neue die bekannten Gesichter wiederzutreffen, „Menschen, die man schon einige Woche nicht gesehen hat“, aber neben diesen hat es auch viele Interessierte in das Viertel mit dem vermeintlich zweifelhaften Ruf gezogen. Sie alle haben durch die Begegnung mit Kreativen - aber auch der Nordstadt selbst - bewusst oder unterbewusst eine Perspektive abseits der Vorurteile gewinnen können. Die Nordstadt ist ein Ort des künstlerischen Potenzials und der Offenheit und genau das spiegeln Veranstaltungen wie diese – aber auch die Veranstaltung Hofmärkte in der Nordstadt – deutlich wieder.

Das einzige, was sich Didi für die Zukunft wünschen würde, wäre, dass die OffenenNordstadtAteliers auch den öffentlichen Raum bedienen. Sei es mit Skulpturen, Licht- oder Soundinstallationen. Den öffentlichen Raum auch als offenes Atelier nutzen, um damit die Aufgeschlossenheit und Vielfalt der Nordstadt noch weiter zu unterstreichen.

 

 

Text: Jan Kempinski