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ERSTE NICE RESIDENCY IM KREATIV.QUARTIER ÜCKENDORF TRÄGT FRÜCHTE

Maßgeschneidert, persönlich, inspiriert und inspirierend: Die etwas andere Tour durch das Ruhrgebiet versammelte fünf KünstlerInnen und KreativunternehmerInnen aus London, Bilbao und Berlin.

Foto © ecce

Vom 26. bis 29. April waren Catherine Bottrill (aus Großbritannien), Patricia Gutierrez, Cristina Velasco (beide aus Spanien), Nathan Lange und Stefan Mekiffer (beide aus Deutschland) unsere Gäste in der Künstlersiedlung Halfmannshof im Kreativ.Quartier Ückendorf. Wir begleiteten und vernetzten sie mit hiesigen AkteurInnen und Institutionen. Ein fruchtbarer Austausch, der das Ruhrgebiet auf neue Ideen bringt.

Schritt für Schritt die Welt verbessern statt sie über Nacht neu entwerfen: Eine etwas andere Residenz

So stellt man sich eine künstlerisch-kreative Reise durch das Ruhrgebiet in etwa vor: Ein paar Industrie-Highlights, die Landschaft auf sich wirken lassen, die einzigartige Atmosphäre durch ein paar skizzenhafte Momentaufnahmen festhalten, mit anderen Gleichgesinnten aus der Residenz herumhängen, gemeinsam zum Szenelokal gehen und dort vielleicht die Welt in einer Nacht neu denken. Dann – nach einigen Tagen oder Wochen – die Heimreise: Auf der Rückfahrt die Eindrücke ins Gedächtnis rufen, um hoffentlich aus der gewonnenen Inspiration neue Projekte zu schmieden.

Ganz anders war die erste NICE Residency: Für Catherine, Patricia, Cristina, Nathan und Stefan, FinalistInnen des NICE Awards 2016, haben wir eine maßgeschneiderte Tour entwickelt. Fast nichts wurde dem Zufall überlassen, denn im Vorfeld wurden verschiedene AkteurInnen und Institutionen aus Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund oder Essen angesprochen. Wir sondierten gegenseitige Interessen, fungierten als eine Art Projekt-Matcher. Als absehbar war, dass aus der viertägigen Residenz fruchtbare Gespräche und Ideen entstehen könnten, kamen die Gäste aus Berlin, Bilbao und London nach Gelsenkirchen angereist.

 

Gut aufgehoben: Liebevoll eingerichtete Gästezimmer und eine starke Vertretung im Kreativ.Quartier Ückendorf

Zielort: Kreativ.Quartier Ückendorf. Ankunft: Mittwoch – 26. April. Die Zimmer auf dem Halfmannshof sind frisch bezogen, auch Handtuch und Blumenstrauß dürfen nicht fehlen, die Gäste sollen sich wie zuhause fühlen. Mit Christiana van Osenbrüggen und Anabel Starosta wartet ein freundliches Team auf unsere Gäste. Damit sie sich etwa beim Anschlusszug nicht durch das Ruhrgebiet verfahren, werden sie von unserem Team am Bahnhof abgeholt.


Individuelle Touren

Nach einem gemeinsamen Frühstück im kreativen Hof geht’s am Donnerstag 27. April um Punkt 10 Uhr weiter. Hier trennen sich die Wege: Sandra Czerwonka, Bernd Fesel und Nadine Hanemann von ecce holen die Gäste ab. Für Catherine geht es zum NRW-Forum nach Düsseldorf, wo sie sich mit dessen Künstlerischem Leiter Alain Bieber und Reinhard Krämer und Marlene Schüsseler vom NRW-Kulturministerium trifft. Der Austausch führt dann zur Business Development Agency Dortmund. Das von Sandra betreute Programm ist zielgerichtet: Die zierliche Britin ist erfolgreiche Energieunternehmerin, hat sich auf dem Umgang mit grünen Energien spezialisiert und setzt sich für mehr Nachhaltigkeit in den kreativen Berufen ein.
HIER weiterlesen: NICE 2016 Gewinner Projekt Julie’s Bicycle.

 

Die Spanierinnen steigen in Bernds Auto. Erste Station: das Kunstmuseum Gelsenkirchen. Eins von mehreren Ruhrkunstmuseen, die auf dem Routenplan stehen. Neugierig wartet Ella Katharina König, die die Kunstvermittlung und -pädagogik verantwortet. Für Kunsteinrichtungen wie das Museum Museo del Prado in Madrid und das Moskauer Puschkin-Museum haben Patricia und Cristina ein 3D-Verfahren entwickelt. Eine Art dreidimensionales Touchscreen, wodurch Gemälde für Sehbehinderte erfahrbar werden.
HIER entdecken: Projekt Touching the Prado (Estudios Durero).

 

Für die Vertreter des Berliner Projekts ROC21 geht es zunächst zur Zukunftsakademie NRW in Bochum. Ihr erster Kontakt in der Ruhrszene ist Guy Dermosessian, der auch als DJ bekannt ist und das Label Kalakuta Soul Records betreibt. Durch seine Tätigkeit bei der Zukunftsakademie ist er besonders sensibel für das Thema integrative Gesellschaft, die sich gerade vor dem Hintergrund der sogenannten Flüchtlingskrise als akut darstellt. Nathan und Stefan sind bei ROC21 unter anderem im Baubereich tätig und haben sich in der kostengünstigen Umfunktionierung von innerstädtischem Leerstand spezialisiert.

HIER weiterlesen: NICE Award Platz-1-Gewinner-Projekt ROC 21 (Refugee Open Cities).

 

Eindrücke der Kreativ.Quartiere Ruhr

Abends trifft man sich wieder in Gelsenkirchen zum Dinner mit Vertretern der Stadt Gelsenkirchen und ecce. Dr. Volker Bandelow und Andreas Piwek begrüßen die europäischen Gäste, gehen Pläne und Konzepte durch. Wer nach alldiesen Eindrücken nicht allzu müde ist, geht abends ins Jazzkonzert.

 

Projektideen für das Ruhrgebiet

Der Freitag, 28. April, ist mindestens genauso ereignisreich wie der Donnerstag: Catherine ist bei der Klima Expo NRW, dann in Essen bei der Essen Marketing Gesellschaft und dem Umweltamt der Stadt. Der Austausch mit den verschiedenen Institutionen in den zwei Tagen mündet in neue Ideen: Ob ein europäisches Nachhaltigkeitsprojekt? Oder ein Klima-Film-Festival NRW? So etwas gibt es deutschlandweit noch nicht.

Nathan und Stefan verbringen den Vormittag in Dortmund. Gemeinsam mit Nadine Hanemann, die bei ecce den Bereich Forschung und Evaluation verantwortet, besuchen sie Gesa Harbig vom Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V. und machen sich dort auch einen Eindruck von Unterkünften.
Später bei ecce treffen sie auf Bernd, der mögliche Kooperationen im Rahmen des Projekts Kreativ.Quartiere Ruhr auslotet.

Heute fahren Patricia und Cristina nach Essen ins Kreativ.Quartier Essen-Nord, wo sie mit Peter Petersen vom 3D-Druckzentrum Ruhr technologische Möglichkeiten im 3D-Bereich austauschen.
Danach geht es weiter nach Dortmund, erst mit einer Begrüßung von Jasmin Vogel, Marketingleiterin des Dortmunder U. Dann gibt Regina Selter vom Museum Ostwall eine Führung durch die Ausstellung, woraus intensive Gespräche resultieren. Mithilfe der in Bilbao entwickelten Technik könnte beispielsweise die Fluxus-Sammlung des Dortmunder U für Sehbehinderte erfahrbar werden. Unter dem Motto „Please Touch“ bedeutete der Einsatz dieses 3D-Druck ähnlichen Verfahrens eine neue Dimension der Museumspädagogik.
Ob das umgesetzt werden kann, bleibt allerdings offen: Die Digitalisierung und Replikation der umfangreichen Werksammlung ist mit hohen Technikkosten verbunden.


Feierliches Abschlussdinner im Halfmannshof

Beim gemeinsamen Abschlussdinner im Halfmannshof werden die Eindrücke aus zwei ereignisreichen Tagen ausgetauscht. Christiana van Osenbrüggen als Expertin für das Kreativ.Quartier Ückendorf zeigt einen Film des internationalen Projekts zur Leerstandsbelebung „Bochumer Straße spricht"  Eins ist sicher: Der erste Stein ist gelegt.
Nächstes Frühjahr ist eine zweite NICE Residency in Planung.


Über die erste NICE Residency 2017:
 
Die Projekte Touching the Prado, Julie’s Bicycle und ROC 21 wurden aus der NICE-Shortlist 2016 ausgesucht. Alle drei Projekte schlagen Brücken zwischen Kreativunternehmertum und gesellschaftlichen Herausforderungen wie den Klimawandel, die Flüchtlingskrise und die Teilhabe behinderter Menschen am kulturellen Leben.
 
 
Über den NICE Award und das NICE-Netzwerk:
 
Unter der Leitung des european centre for creative economy (ecce) in Dortmund wurde 2013 das europäische Netzwerk NICE gegründet, dem heute 28 Partner aus 13 Nationen angehören. Es fördert Kultur- und Kreativwirtschaft durch die Vergabe des NICE Awards, eines in Europa einmaligen Innovationspreises für KünstlerInnen wir auch kulturelle und kreative UnternehmerInnen, öffentliche Institutionen oder Non-Profit-Stiftungen. Seit 2013 haben sich über 400 Innovationsprojekte auf den NICE Award beworben, der von einer unabhängigen Jury verliehen wird.
 
Zum NICE Award 2017