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Eröffnung Feedback Junges Medienfestival im Dortmunder U

Am 29. Juni feierte das Feedback Festival für junge Medien seinen Auftakt im Dortmunder U. Ein Festival, welches die Kompetenzen der UZWEI bündelt und Jugendlichen eine Sichtweise auf die Medienbranche, aber auch auf ihre eigene Kreativität bieten soll, die sie sonst nicht erlangen. Sie sollen sich ausprobieren. Kreativ sein, weil es Spaß macht, nicht weil es einen Zweck erfüllt. Aber sie sollen auch eine realistische Einschätzung der Branche bekommen. Jugendlichen nahe zu bringen, nicht leistungsorientierte Interessen haben zu dürfen, Interessen zu haben, für die sie nicht sozialisiert wurden, diese Ambitionen verfolgen Vera Schöpfer, die Initiatorin des Festivals, und Mechthild Eickhoff, Leiterin der UZWEI, seit Jahren – mit Erfolg.

 

© Sebastian Becker/ecce

Am 29. Juni feierte das Feedback Festival  den Auftakt der zweiten Ausgabe. Ein Wochenende lang haben Jugendliche auf der UZWEI  des Dortmunder U die Möglichkeit bekommen, sich kreativ mit Medien wie Fotografie und Film, aber auch mit Siebdruck und Hörspielen auseinander zu setzen, sie kennenzulernen und sich auszuprobieren.

Einige Wochen vor dem Festival kam Mouaid Alakkad auf das Team von YOUNG DOGS, die InitiatorInnen des Festivals, zu, die regelmäßig auf der UZWEI vor Ort sind, und bat um Unterstützung. Der junge Mann, der erst seit zwei Jahren in Deutschland ist, habe gemeinsam mit Hauptdarsteller Mohammed Koko einen Film gedreht und bräuchte nun Hilfe, diesen zu schneiden. Diese Hilfe bekam er vom Filmemacher und Cutter Philip Hallay. Und so kam es dazu, dass Mouaid am 29. Juni das Ergebnis „Extra Integration“ bei der Festivaleröffnung vor großem Publikum präsentieren konnte. Ein so gelungener wie passender Auftakt. Denn Mouaids Geschichte ist so exemplarisch für das, was mit dem Feedback Festival und der UZWEI als solches erreicht werden kann.

Vera Schöpfer von YOUNG DOGS erzählt, wie sie Mouaid kennenlernte: „Er wurde mir empfohlen von einer Sprachschullehrerin, woraufhin er dann mit beim letztjährigen Tanzfilmprojekt mitmachte. Danach verschwand er ein Jahr in der Versenkung, weil er angefangen hat zu studieren und tauchte wieder auf, als er diesen Film machte. Später sagte er ganz klar: Ohne die erste Ermutigung, ohne vorher zu sehen, hier gibt es Hilfe, hätte er nicht angefangen, wieder etwas zu drehen. So hatte er ein Vorbild und einen Ansprechpartner.“

 

 

 

Ein Ausgangspunkt, an dem auch das Feedback Festival ansetzt. Es soll möglichst niedrigschwellig Jugendlichen ermöglichen, sich kreativ auszuprobieren, ohne sich dabei an einer gewissen Leistung zu orientieren. Die Zielgruppe ist hierbei bewusst zwischen 15 und 25 Jahren gewählt, da alle voneinander profitieren und lernen können. Seien es die Jüngeren mit einem noch nicht verklärten Blick oder die Älteren mit den ersten Erfahrungswerten. „Das ist etwas, wo oft einfach nur die Begegnung fehlt. Die müssen sich ja finden und ich denke oft darüber nach, wie finden sich die richtigen Leute. Wie kann man eine Plattform schaffen, wo sie sich finden“, erzählt Vera und ergänzt: „Das Feedback Festival ist ein Festival ohne Wettbewerb, eine Plattform, auf der jeder zeigen kann, was er kann im Bereich der kreativen Nutzung von Medien. Dafür haben wir verschiedene Angebote.“ Dabei teilt sich das Konzept auf. Zum einen geht es um buchstäbliches Feedback, das Interessierte von Profis bekommen, wenn sie im Bereich Foto und Film ihre Werke präsentieren. Zum anderen die Workshops, die zum Reinschnuppern, aber auch Dazulernen sind und eine Begegnungsstätte bieten.

Für Mechthild Eickhoff, Leiterin der UZWEI, sind eben diese Begegnungen ein wichtiger Aspekt des Festivals: „Die Begegnung der jüngeren Altersgruppe und der, die gerade mit ihrem Studium (…) fertig sind, ist unglaublich spannend, solange sie sich so nebenher ergibt. Man darf sie nicht überinszenieren. Man schafft eine Zugänglichkeit für Menschen zueinander.“

Nicht zuletzt deswegen möchten die Veranstalter in Zukunft enger mit Schulen zusammen arbeiten, mehr Öffentlichkeit schaffen und Interessenten finden. Daher wurde auch am Eröffnungstag mit 25 Schülern gemeinsam ein Workshop zum Thema Film umgesetzt. „Wir haben keine Technik eingesetzt, nur Stift und Papier, und am Ende hatte jeder eine Ideenskizze in seinem Block“, berichtet Vera. Ganz zur Überraschung des Lehrers, der dem Konzept vorher eher kritisch gegenüber stand. Doch zu lernen ohne Zwang dahinter, ein Interesse zu haben, ohne den Druck professionell zu werden – diese Möglichkeiten weisen Jugendlichen einen Weg, der ihnen sonst vielleicht verborgen bleibt, eine Alternative, die nicht leistungsorientiert ist. Ähnlich definiert auch Mechthild das Konzept der UZWEI: „Hier werden (…) Talente und Wünsche abgefragt, die die sich ohne jedwede Verpflichtung, z.B. (aus) schulischer oder beruflicher Natur, entwickeln dürfen und können. Das ist etwas, was die Kinder hier verstehen.“ Umso wichtiger ist die Zusammenarbeit mit Lehrinstitutionen, denn welcher Jugendliche weiß, was er für ein kreatives Bedürfnis hat oder in den Worten von Mechthild: „In dem Alter weiß man die Fragen gar nicht zu stellen, wohin mit diesem komischen Bedürfnis und wie soll ich die Frage überhaupt stellen, um eine Antwort zu bekommen.“ Daher sieht sie das Feedback Festival auch als logische Konsequenz und „Reaktion auf das, was sich in den Jahren davor auf der UZWEI, auch in Zusammenarbeit mit Vera und Youngdogs, entwickelt hat.

 

 

 

Ausprobieren, lernen und neu formatieren – das gilt auch für das Feedback Festival selbst: Diesjährig bieten die Veranstalter mit dem neuen Baustein, dem U_CAMPUS, ein Schul- und Mentorenprogramm an, das in die Welt der Profis linst.

Für das Mentorenprogramm, bei dem Kreative aus ihrem Alltag berichten und Workshops mit Jugendlichen veranstalten, haben Mechthild und Vera bewusst Berufstätige aus der Kreativwirtschaft gewählt. Die Austausch mit den ExpertInnen aus der Berufspraxis ermöglicht einen den jungen Leuten gänzlich neuen Blickwinkel. Die Auftaktveranstaltung war gut besucht und die Workshops am Festivalwochenende ebenso: „Ich glaube es liegt an den Dozenten, das sind authentische Leute, keine Lehrer oder Pädagogen, sondern Menschen, die im Berufsleben stehen“, erzählt Mechthild. Doch das Mentorenprogramm geht über das Wochenende hinaus und wird im Herbst fortgeführt. Dann werden Sascha Schilling und Michelle Flunger von Konter – Studio für Gestaltung, David Doehrer und Dennis Treu von Tapir  sowie Gerhard Kurtz vom Projektraum Fotografie  und Olaf Kuzniar von ÜberRot  in verschiedene Bereichen der Kreativwirtschaft Einblick gewähren. Ziel ist es, dass den Teilnehmern sowohl eine realistische Einschätzung des Berufsfeldes nahe gebracht wird, aber sie andererseits auch ein Handwerkzeug erhalten, um selbst tätig zu werden.

Doch der U_CAMPUS und das Feedback Festival haben noch weitere Nebeneffekte. Durch die gemeinsamen Workshops mit älteren Teilnehmern, die beispielsweise gerade im Filmstudium stecken, ergeben sich immer wieder gemeinsame Synergien. So war am Samstag ein Filmemacher zu Gast, der mit einem Jugendfilmprojekt anfing, dann von Vera ein Praktikum in einer Produktionsfirma bekommen hat und nun an der Filmhochschule ist. Ein anderes Beispiel ist „das junge Team von letzten Jahr. Die Teilnehmer waren auf einmal in FH Projekten, weil die sich schon ein wenig mit der Materie auskannten“, berichtet Vera voller Freude.

Vera pflegt engen Kontakt zu denen, die regelmäßig zu ihr und den Young Dogs kommen. „Mit den meisten, die regelmäßig kommen, habe ich ein sehr intensives Verhältnis, ich weiß von vielen recht viel und umgekehrt. Das ist im Prinzip eine Vertrauenssache, ich finde wenn man gemeinsam kreativ ist, geht das gar nicht anders. Daher weiß ich oft um Nöte. Daher kommt es vor, dass ich manchmal einen Sozialarbeiterjob mache, obwohl ich dafür nicht ausgebildet wurde.“ Ein Umstand, den auch Mechthild eher als Vorteil sieht: „Ich glaube das ist die Stärke, dass man kein Sozialarbeiter ist.“ So gelangen sie nah an die Jugendlichen, können ihnen Wege aufweisen, manchmal auch Auswege. So wie Mouaid Alakkad und Mohammed Koko, die mit Hilfe von den Vera und den Young Dogs einen Film über die erste Zeit in Deutschland drehen konnten. Humorvoll, zum Teil dokumentarisch, zum anderen Teil inszeniert und mit einer persönlichen Erfahrung, die der ein oder andere Zuschauer sicherlich als Denkanstoß mit nach Hause genommen hat.

Die UZWEI und das Feedback Festival senden Signale. Sie zeigen Jugendlichen, welche Möglichkeiten sie haben, dass nicht alles immer nur auf Leistung getrimmt sein muss. Aber sie setzen auch Signale im Dortmunder U. „Ich finde es ganz toll, Angebote, die hier im U sind, mit anderen zu verzahnen, um eine Verbindung zu schaffen“, fasst Vera die Situation zusammen. Sie wollen gemeinsam an etwas arbeiten, mit den Jugendlichen, den Schulen, dem Dortmunder U und der Stadt. So formuliert Mechthild die Ziele ambitioniert: „Wir entwickeln hier zusammen etwas weiter. Diesen Gedanken finde ich sehr attraktiv und wenn man ihn groß denkt und nicht nur projektbezogen, dann kann man Dortmund weiter nach vorne bringen.“ Ein Plan, der aufgeht, denn immer wieder kommt ein Echo zurück. Sei es wie bei „Ein guter Christ“, einem Film vom letzten Jahr, der zusammen mit den Young Dogs und der UZWEI entstanden ist und den Deutschen Jugendfilmpreis gewonnen hat, oder ganz persönlichen Erfahrungen. „Ich habe eine lange und rührende Nachricht bekommen, wie wichtig der Einfluss von diesem Projekt auf sie gewesen sei. Auch Jahre später noch. Hier wurden ihre Stärken im kreativen und sozialen Bereich gefördert, die in ihrem Umfeld nicht geschätzt wurden, sodass sie das Selbstbewusstsein bekommen hat, zu sagen: ich mache das jetzt, das ist mein Job“, erzählt Vera und solange solche Geschichten zu erzählen sind, erfüllen die YOUNG DOGS und die UZWEI ihre Aufgabe auf sehr schöne Weise.

 

 

Text: Jan Kempinski