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Ausstellungseröffnung: Verdichtung durch Abriss

Am Tag der Deutschen Einheit öffnete sich am Weberplatz 1 in Essen ein Riss - ein noch verborgener Abriss des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Ledigenheim, seit Anfang 2017 weitgehend leerstehend.

Anne Berlit - Verdichtung durch Abriss © ecce

Seit Juli ist es als „Freiraum Weberplatz“ betitelt und die temporäre Anlaufstelle der Initiative „Grüne Hauptstadt Europas - Essen 2017“ . Die Risse am Weberplatz werden sichtbarer durch die Initiative der Künstlerin Anne Berlit : Ihre Kunst dokumentiert Stadtvillen und Gebäude, die im Zuge von städtebaulicher Verdichtung zum Abriss anstehen.

Das Tote wird neu lebendig im Kulturraum des Urbanen, so Dr. Gregor Jansen, Direktor der Kunsthalle Düsseldorf, in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung "Verdichtung durch Abriss" am 3. Oktober im Gebäude am Weberplatz 1. Er verwies auf die zwei globalen Horrorszenarien moderner Städte heute – zum einen die "exploding cities" in z.B. China, wo Peking in nur 10 Jahren von 14 auf 20 Mio. EinwohnerInnen explodierte; zum anderen die "imploding shrinking cities", gerade auch in Deutschland, wo Leerstände soziale und ökonomische Strukturen der Städte zerstören. Berlit habe mit dem Begriff "Verdichtung" das große Thema unserer Zeit gewählt, sie hat Risse in unserer Gesellschaft offengelegt und am Weberplatz in Essen durch ihre temporäre Ausstellung beispielhaft erfahrbar gemacht.

 

Der bauliche Abriss folgt dem gesellschaftlichen Riss

"Gebt den Künstlern kein Haus. Die gehen nicht mehr." Diesen Satz hörte Berlit auf der Suche nach einer Immobilie in Essen von vielen EigentümerInnen, nicht jedoch von den MacherInnen der Grünen Kulturhauptstadt Europas, die ihr den Weg durch den Dschungel der Verwaltungsgenehmigungen bahnten. Wir können hier temporärausstellen, so Berlit, aber sie hoffe, dass jedem die Erfahrung und Erkenntnisse lange erhalten blieben.

Abrisse sind schnell vorüber, Risse nicht. Berlit zeigt mit ihrer Ausstellung, wie Kunst dazu beiträgt, diese langfristig zu überwinden. Das Ruhrgebiet kennt Bergschäden und kann mit ihnen umgehen, trifft dies auch auf gesellschaftliche Schädigungen wie am Weberplatz oder in der Nordstadt Essenzu? Die Ausstellung und die zahlreichen BesucherInnen lassen das hoffen.

Das Projekt „Verdichtung durch Abriss“ wird im Bereich "Thematische Bewerbung" durch die Individuelle Förderung von KünstlerInnen und Kreativen (IKF)  gefördert. Die Ausstellung zeigt ferner Werke von Marita Bullmann, Brigitte Dümling, Dirk Hupe, Benjamin Gages, Ubbo Kügler, Thomas Reul, Dirk Schlichting und Peter Stohrer und ist bis zum 15. Oktober zu sehen, mehr unter: https://www.freiraum-weberplatz.de

Der „Freiraum Weberplatz“ liegt im Kreativ.Quartier Essen City.Nord. Von 2011 bis 2017 förderte und fördert das Landesprogramm Kreativ.Quartiere Ruhr kulturelle und künstlerische Impulse im Quartier, um Freiräume für KünstlerInnen und Kreative zu stärken. Das Programm baut auf einem örtlichen Dialog zwischen Kultur- und Kreativszene sowie Kultur, Wirtschafts- und Stadtplanung auf, um eine gemeinsame Vision und Strategie für das jeweilige Quartier zu entwickeln.

ecce führt das Landesprogramm durch – mehr Informationen zu geförderten Projekten und Förderbedingungen unter: http://www.e-c-c-e.de/kreativquartiere-ruhr.html