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Audience Development an der Donau – das NICE-Netzwerk zu Gast in Pécs

Wie der Fluss so stoppt auch Kultur nicht an Ländergrenzen – das beweist das Interreg-Projekt CultPlatForm_21. Die erste transnationale Konferenz des Projekts fand in Pécs statt. Hanna Schönberg (ecce) war für das Netzwerk für Innovationen in Kultur und Kreativität in Europa (NICE) vor Ort.

© ecce

19 Partner aus acht Ländern entlang der Donau haben sich in dem Projekt „Danube Culture Platform – Creative Spaces of the 21st Century“, kurz CultPlatForm_21 vereint. Unter dem Titel „The key to raising attention – challenges and perspectives of audience development along the Danube“ widmete sich die Konferenz vom 11. bis 13 Oktober vor allem dem Thema Audience Development und richtete dabei den Blick verstärkt auf die Europäischen Kulturhauptstädte. 120 TeilnehmerInnen aus 21 Ländern diskutierten die Chancen und Herausforderungen der Publikumsentwicklung im modernen Kodály Conference Center. Ausgerichtet wurde die Konferenz vom NICE-Mitglied Zsolnay Heritage Management.

 

Während eines einleitenden Abendempfangs präsentierte Pécs seine kulturelle Vielfalt mit Folkloretänzen von Roma, KroatInnen und UngarInnen in der spätromanischen Grabstätte Cella Septichora. Im weiteren Verlauf des Abends stand das Netzwerken aller Anwesenden im Vordergrund.

Den Konferenzauftakt am folgenden Tag gab der ungarische Kulturminister Dr. Péter Hoppál per Videonachricht und begrüßte die TeilnehmerInnen.

 

In einem einleitenden Panel ging es zunächst um verschiedene Europäische Initiativen und ihr Publikum. Pia Leydolt-Fuchs, die die Kulturhauptstadt Linz 2009 kommunikativ betreut hat, unterstrich, wie wichtig es sei, mit den BürgerInnen einer Stadt zu sprechen. „Man muss ihnen bewusst machen, warum dieses Event in ihrer Stadt stattfindet und welche Vorteile dies mit sich bringt.“ Die Menschen sollten nicht nur BesucherInnen sondern Teil des Projekts sein. Unterstützung von der politischen Seite sei unabdingbar, um Audience Development voranzutreiben, so Dea Vidovic von der Kultura nova Stiftung in Zagreb. Nicht zu vernachlässigen seien die innereuropäischen Unterschiede, so Róbert Manchin von Culture Action Europe. Im Norden Europas gebe es in der Bevölkerung etwa ein höheres Vertrauenslevel als im Süden. Die Unterschiede lokaler Kulturen sollten nicht negiert werden.

 

In einem kurzen Vortrag erläuterte István Perger von der ungarischen Landesvertretung der Europäischen Kommission die Ziele und Zugänge zum Europäischen Jahr des Kulturellen Erbes 2018. Ein Budget von 8 Mio Euro steht hierfür zur Verfügung (s. auch Creative Europe Call).

 

In den Workshops am Nachmittag ging es verstärkt um Community Building, das anhand von Best-Practise-Beispielen thematisiert wurde. So stellte Irena Sertić von Omnimedia Doo in Zagreb das Creative Europe Projekt „Participatory Art for Invisible Communities“ vor. Lokale BewohnerInnen arbeiten in diesem mit KünstlerInnen in Residenzprogrammen zusammen. Sabine Geller aus Ulm zeigte das Projekt „Danube Women City Guide“, das nicht nur berühmte Frauen der Stadt ins Bewusstsein ruft, sondern auch junge Frauen zur Partizipation an gesellschaftlichen Fragestellungen anhalten will. Ádám Kobrizsa präsentierte die Budapester Non-Profit-Organisation Mindspace, die mit urbanen Interventionen Zustände in der Stadt, wie etwa den starken Verkehr entlang der Donau, hinterfragt. Luca Ricci, künstlerischer Leiter des italienischen Kilowatt-Festivals erklärte seinen Ansatz des „active spectatorship“. In verschiedenen Produktionen hat er bereits Programme gemeinsam mit der Zielgruppe entworfen. Im EU-Projekt „Be SpectACTive“ wurden etwa nicht nur Residenzen sondern auch eine interaktive Webplattform genutzt, bei der die zukünftigen ZuschauerInnen am Kreationsprozess teilhaben und eingreifen konnten.

 

Wie industrielles Erbe belebt werden kann, war Thema eines anderen Workshops, bei dem unter anderem Đula Ribar aus dem Planungsteam der Kulturhauptstadt Novi Sad 2021 die Strategie der serbischen Stadt vorstellte. In der Diskussion wurde auch die Problematik von übergestülpten Strategien thematisiert. Mit Trafó und Fabrica de Pensule waren zwei ehemalige Fabriken aus Budapest und Cluj vertreten, die sich heute als aktive Kulturzentren etabliert haben. „Kultur ist ein hierarchisches Konstrukt“, sprach István Szakáts aus Rumänien Klartext. Kulturelle Mobilität sei eine Unterkategorie von sozialer Mobilität. Gábor Móczár, International Relations Manager des Zsolnay Heritage Managements, thematisierte offen, dass hochsubventionierte Projekte der Kulturhauptstädte zum Teil von der Bevölkerung nicht angenommen würden.

 

„Die Stadt investiert viel in die Infrastruktur, da diese am sichtbarsten ist“, sagte Christian Potiron vom Center for Contemporary Arts Bratislava, der bereits mehrere Kulturhauptstädte beraten hat, am nächsten Morgen. Bei Kulturhauptstädten ginge es vor allem ums Storytelling. Um nachhaltige Strukturen zu schaffen sei es aber wichtig, die BürgerInnen zu EigentümerInnen der Orte zu machen und ihnen bei der Mitgestaltung zu helfen. „Wessen Geschichte erzählen wir? Die des Direktors oder die der BürgerInnen?“, fragte er.

 

Mit der Frage wie Jugend Innovation schaffen kann beschäftigte sich eine der letzten Runden des Tages. Während Dóra Halas ihren ungarischen Soharóza Chor und Veronika Trubel das europäische Jugendbegegnungsprogramm eljub aus Österreich als praktische Beispiele der Jugendarbeit vorstellte, zeigte Hanna Schönberg (ecce) auf, wie der europäische Preis für kulturelle Innovationen Impulse für neue Lösungsansätze gibt – sei es in den Bereichen Audience Development, Industrie-Erbe, Kulturhauptstädte oder auch in der Jugendförderung. Der sogenannte NICE Award ist ein Aushängeschild für Innovationen – und damit ein europäischer Motor für lokale Innovationen. Die diesjährigen NICE Award GewinnerInnen von „Urbanatix“ aus Bochum und „Next Generation“ aus Jerewan hätten gezeigt, wie innovativ Jugend und Jugendkulturen sein können – welche Strahlkraft sie auf regionale und urbane Entwicklungen haben können.